Es ist wohl der größte Skandal, der das norwegische Königshaus je erschüttert hat. Unmittelbar vor seinem Vergewaltigungsprozess ist der aus einer früheren Beziehung stammende Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, wegen weiterer Gewaltvorwürfe festgenommen worden. Der 29-Jährige werde des körperlichen Übergriffs, der Drohung mit einem Messer und des Verstoßes gegen ein Besuchsverbot verdächtigt, teilte die Polizei mit. Høiby soll Berichten zufolge am Wochenende ausfällig geworden sein, die Festnahme erfolgte am Sonntagabend.
Høiby in 38 Punkten angeklagt
Die Anwältin des 29-Jährigen, Ellen Andenæs, kommentierte der Nachrichtenagentur NTB zufolge zunächst nicht, wie sich ihr Mandant zu den neuen Vorwürfen äußert. Am Dienstag beginnt in Oslo der auch in Deutschland viel beachtete Prozess gegen Høiby, der bislang in 38 Punkten angeklagt ist, unter anderem wegen Vergewaltigung, Misshandlung in engen Beziehungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Verstößen gegen Besuchsverbote.
Insbesondere die Vorwürfe der Sexualdelikte weist der Sohn der Kronprinzessin aus einer früheren Beziehung zurück. Zugegeben hatte er im Sommer 2024, unter Alkohol- und Kokain-Einfluss gegenüber seiner damaligen Freundin gewalttätig geworden zu sein und Dinge in ihrer Wohnung zerstört zu haben.
Der Fall Høiby ist eine enorme Belastung für das norwegische Königshaus. Mette-Marit und ihr Ehemann, Kronprinz Haakon, werden planmäßig nicht beim Prozess vor Ort sein. König Harald V. und das Kronprinzenpaar sprachen allen Betroffenen ihr Mitgefühl aus. Høiby selbst hatte in einer Stellungnahme von psychischen Problemen berichtet und davon, seit längerem mit Drogenmissbrauch zu kämpfen.
Mette-Marit in den Epstein-Files
Die Kronprinzessin Mette-Marit steht selbst in diesen Tagen unter enormem Druck, weil ihr Name Hunderte Male in den Akten zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auftaucht. Mehrere hundertmal wird die 52-Jährige in den am Freitag veröffentlichten Dokumenten erwähnt.
Für besonders viel Aufsehen sorgte etwa ein Mail-Verkehr, in dem es um einen Besuch auf Epsteins Anwesen in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida im Jahr 2013 geht. Dem Sender NRK bestätigte der Palast, dass Mette-Marit das Haus von Epstein über einen gemeinsamen Freund geliehen habe. Die Kronprinzessin habe dort vier Tage lang gemeinsam mit einer Freundin gewohnt, teilte die Sprecherin des norwegischen Königshauses, Guri Varpe, demnach mit.
Während dieses Besuchs habe sie Epstein auch getroffen. Auf der Privatinsel des Multimillionärs, Little Saint James, habe sie sich allerdings nie aufgehalten. Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. 2019 kam er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle zu Tode.
Noch am Freitagabend entschuldigte sich die Kronprinzessin: Sie habe "Epsteins Hintergrund nicht besser geprüft", erklärte sie in einer Stellungnahme, die mehreren norwegischen Medien vorliegt. Sie habe ein "schlechtes Urteilsvermögen" bewiesen und bedauere, "überhaupt Kontakt zu Epstein gehabt zu haben". "Es ist einfach peinlich", heißt es weiter. Den Opfern des Sexualstraftäters sprach sie ihr "tiefes Mitgefühl" und ihre Solidarität aus.
Mit Informationen von dpa, AFP
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