Seit nun vier Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen Angriffe der russischen Armee: Am 24. Februar 2022 beschließt der russische Präsident Wladimir Putin eine "Militäroperation". Russische Truppen überfallen das Nachbarland Ukraine.
Februar bis April 2022
Der ursprüngliche Invasionsplan der russischen Streitkräfte scheitert kläglich: Binnen weniger Wochen schlagen die ukrainischen Verteidiger Putins Truppen aus den Vororten Kiews zurück. Anfang April 2022 sorgen die Massaker an der Zivilbevölkerung durch die russischen Einheiten in Butscha weltweit für Entsetzen.
Zeitgleich greifen die russischen Streitkräfte im Nordosten die Millionenmetropole Charkiw an, dringen im Süden vor, erobern die Landbrücke zur 2014 völkerrechtswidrig besetzten Krim und belagern und zerstören die Hafenstadt Mariupol. Die Verteidiger im weitläufigen Gelände der Asow-Stahlwerke von Mariupol ergeben sich auf Befehl von Ukraines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und werden gefangengenommen.
September bis November 2022
Mit erfolgreichen Gegenoffensiven gelingt es den ukrainischen Streitkräften, die russischen Einheiten aus dem Oblast Charkiw zu verdrängen. Im Süden befreien sie Cherson von den russischen Invasoren und zwingen Putins Truppen zum Rückzug über das Ostufer des Dnepr. Es sollten die letzten großräumigen Rückeroberungen der ukrainischen Streitkräfte bleiben.
August 2022 bis Mai 2023
Die Schlacht um Bachmut im Osten ist die verlustreichste Schlacht des Ukrainekriegs. Russische Einheiten und die Söldnertruppen der sogenannten Wagner-Gruppe rennen monatelang gegen die zunächst gut befestigten ukrainischen Stellungen an. Im Mai ziehen sich die letzten ukrainischen Einheiten aus der vollständig zerstörten Stadt zurück. Bachmut markiert den Übergang vom Bewegungs- zum Stellungskrieg.
Spätsommer 2023
Die lang angekündigte ukrainische Sommeroffensive schlägt fehl. Die russischen Einheiten hatten sich entlang des Frontverlaufs zuvor tief eingraben können. Das Schlachtgeschehen verändert sich durch den rasant zunehmenden Einsatz von Drohnen. Dadurch können sich größere Truppenansammlungen in der Nähe der Frontabschnitte nicht mehr konzentrieren.
Veränderungen im Frontverlauf im Video:
In diesem Video sehen Sie, wie sich die Fronten zwischen den beiden Parteien verändert haben und wo der Konflikt heute steht.
Ab 2024
Die russischen Verbände gehen zu Angriffen mit geringen Infanteriekräften und mobilen Einheiten über. Der Krieg, "der zuvor von Artillerie und mechanisierten Verbänden geprägt war, entwickelte sich zu einem Konflikt, in dem Präzisionsschläge, elektronische Kriegsführung und Drohnen" eine immer wichtigere Rolle spielten, wie die US-Fachzeitschrift "Foreign Affairs" in diesen Tagen analysiert.
August 2024 bis März 2025
Mit ihrer Kursk-Offensive tragen die ukrainischen Streitkräfte den Krieg erstmals auf russisches Territorium. Der Angriff sollte die ukrainische Stadt Sumy vom russischen Artilleriebeschuss befreien und Moskau dazu zwingen, Verbände aus anderen Frontabschnitten in die Region Kursk zu verlegen. Die russischen Einheiten werden von rund 8.000 nordkoreanischen Soldaten unterstützt. Erst als US-Präsident Trump im März 2025 zwischenzeitlich die amerikanischen Aufklärungsdaten an die Ukraine einstellt, gelingt den russischen Verbänden schrittweise die Rückeroberung der Region.
Seit 2025
Geringe Geländegewinne Russlands bei hohen Verlusten. Mit dem intensiven und stets umfangreicheren Einsatz von Drohnen entlang der Front kann die Ukraine ihre Nachteile mit Blick auf die geringere Truppenstärke weitgehend kompensieren. Die russischen Streitkräfte ziehen bei der Drohnentechnologie rasch nach. Die sogenannte "Todeszonen", also die Frontabschnitte mit direkten Feindkontakten, weiten sich deutlich aus, auf inzwischen eine Breite von 30 bis 40 Kilometern. Das Jahr 2025 war für Russland "ein Jahr, das von operativen Misserfolgen geprägt war,", bilanziert die US-Fachzeitschrift "Foreign Affairs". Das russische Militär behauptete "Erfolge, die es tatsächlich nicht erzielt hatte, und die meisten seiner Vorstöße erfolgten nicht entlang der Achsen, die es für offensive Operationen priorisiert hatte."
2026
Ukraine profitiert vom Starlink-Abschalten. Seit Anfang Februar blockiert das Satellitensystem Starlink von Elon Musk den Zugang für die russischen Streitkräfte. Diesen Vorteil können die ukrainischen Streitkräfte ausnutzen, um binnen weniger Tage einige Dutzend Quadratkilometer zurückzuerobern. Dabei handelt es sich allerdings nur um taktische Geländegewinne.
Ausblick
Nach den russischen Geländegewinnen im Osten und Süden der Ukraine zu Beginn des Eroberungskriegs konnten die russischen Streitkräfte von Anfang 2023 bis heute nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters nur rund weitere 1,3 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzen. Schätzungen der amerikanischen Denkfabrik "Center for Strategic and International Studies" zufolge hätten die russischen Streitkräfte seit ihrem Großangriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 pro Monat im Durchschnitt Verluste von 26.000 Soldaten erlitten. Damit hätte Russland bislang 1,2 Millionen Mann verloren. Unter Verluste werden Gefallene, Verwundete und Vermisste gezählt.
Die ukrainischen Verluste, so schätzt das "Center for Strategic and International Studies", seien um die Hälfte bis zwei Drittel geringer als die russischen.
Mit Informationen von Reuters
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