Die Verbraucher in Deutschland halten sich beim Bier immer mehr zurück: Der deutsche Biermarkt ist im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Mit 7,8 Milliarden Litern lag der Absatz sechs Prozent unter dem Vorjahr und hat auch die Werte aus den Corona-Jahren 2020 (8,7 Mrd. Liter) und 2021 (8,5 Mrd.) deutlich unterschritten, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Veltins-Chef Volker Kuhl sieht die Braubranche vor einer "Zäsur, in deren Folge immer öfter Brauereien aufgeben müssen".
Brauereien gehen am Stock
Schon 2025 legte das Tempo der Betriebsschließungen und Übernahmen zu. Kleine und mittlere Brauereien insbesondere in Süddeutschland schlossen für immer, während Branchenriese Oettinger seine Großbrauerei in Braunschweig aufgab und mit Eichbaum in Mannheim ein weiteres Dickschiff in Eigenverwaltung ums Überleben kämpft. Das berühmte Klosterbier aus Weltenburg am Donaubruch kommt vom kommenden Jahr an aus der benachbarten Privatbrauerei Schneider.
Vielen Unternehmen fehle schlicht das Geld für Investitionen, sagt Veltins-Manager Kuhl. "Der Nachhall der Mengenverluste ist für Deutschlands Brauer bitterer als jeder Hopfen, weil er vielerorts dringend benötigte Liquidität kostete." Viele Brauereien haben nicht genug Geld, um etwa neue Abfüllanlagen oder effizientere Energieanlagen zu bezahlen.
Trend geht Richtung gesünderer Lebensstil
Der Bierabsatz geht schon seit 1994 - damals lag der Absatz bei 11,5 Milliarden Litern - mit leichten Schwankungen zurück, die strukturellen Gründe bleiben die gleichen: Deutschlands Gesellschaft wird im Durchschnitt immer älter, und Trends zum gesünderen Lebensstil sind ungebrochen. "Gerade bei vielen jüngeren Menschen sehen wir einen bewussteren Umgang mit Gesundheit. Alkohol spielt für einen wachsenden Teil keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle", hat der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, gerade festgestellt.
Nach Einschätzung des Deutschen Brauerbunds (DBB) bekommen die Brauereien ähnlich wie Handel und Gaststätten nun zusätzlich die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, viele Betriebe hätten sich seit der Corona-Pandemie nicht erholt. Auch die große Marktmacht des Handels bleibe für die Braubranche ein Problem, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.
Alkoholfreies Bier macht Brauereien Hoffnung
Weil keine Biersteuer anfällt, sind alkoholfreie Biere wie auch Malzgetränke nicht in der Statistik enthalten. Für die Branche sind die alkoholfreien Sorten der Hoffnungsschimmer. Im vergangenen Jahr hingen im Handel bereits mehr als 10 Prozent des Umsatzes daran, im laufenden Jahr soll diese Schwelle auch beim Marktanteil erreicht werden, wie der Brauerbund berichtet. Deutschland sei mittlerweile zum größten europäischen Markt für Alkoholfreies geworden.
Der Brauerbund erwartet, dass auch 2026 ein sehr forderndes Jahr für die gesamte Getränke- und Lebensmittelwirtschaft wird. Hauptgeschäftsführer Eichele verlangt eine verlässlichere und wettbewerbsfähige Energiepolitik, um die Betriebe zu unterstützen. Der Branchenexperte Niklas Other vom Fachdienst "Inside Getränke" empfiehlt den Unternehmen, enger zusammenzuarbeiten. Gemeinsame Produktion und Logistik könnten angesichts der hohen Kapitalbindung durch die teuren Anlagen helfen.
Mit Informationen von dpa, AFP
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