ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand tritt zurück
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Verhängnisvolles Interview: ADAC-Verkehrspräsident tritt zurück

"Die CO2-Bepreisung ist ein richtiges Instrument" – mit diesem Satz zu teurerem Sprit hat ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand viele Mitglieder gegen sich aufgebracht. Nach zehntausenden Kündigungen zieht er jetzt Konsequenzen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Am Ende war der Druck offenbar zu groß geworden: ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Er übernehme "die Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden", teilte der Club mit. Seine Äußerungen hätten "zu erheblichen Irritationen bei Mitgliedern sowie zahlreichen Beschwerden und Kündigungen" geführt. Kommissarisch übernimmt Technikpräsident Karsten Schulze die Aufgaben.

Kleines Interview – großer Ärger

Zur Begründung verweist der ADAC auf eine Kündigungswelle: Rund 60.000 Kündigungen stünden im Zusammenhang mit einem Interview Ende 2025 in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", in dem sich der Funktionär positiv über die CO2-Bepreisung geäußert hatte, die Benzin und Diesel teurer macht. Menschen bräuchten "den Anreiz", um auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen. Zugleich mahnte Hillebrand die Politik, Preisspitzen zu verhindern und Alternativen auszubauen, damit eine Verteuerung überhaupt wirken könne.

In der Debatte blieb bei vielen Mitgliedern vor allem hängen: Der ADAC wolle Sprit bewusst teurer machen. Anfang Januar griff die Bild das Thema prominent auf und stellte Hillebrands Aussagen zugespitzt als "Plädoyer für höhere Spritpreise" dar.

Der ADAC reagierte damals mit einer Klarstellung: Man fordere keine pauschalen Spritpreiserhöhungen, sondern verbinde Klimaschutz mit realistischen Alternativen und sozialer Abfederung. Trotzdem ebbte die Empörung zunächst nicht ab. Der Club bedauert die Austritte und kündigt an, um enttäuschte Mitglieder "intensiv" zu werben. Gleichzeitig verweist der ADAC darauf, im Januar auch mehr als 100.000 neue Mitglieder gewonnen zu haben – das entspreche dem Vorjahresniveau.

Spagat für den ADAC

Der Fall zeigt auch, wie schmal der Grat für den ADAC ist: Der Club versteht sich als Interessenvertretung von Autofahrern – gleichzeitig versucht er, auch den Klimaschutz in den Blick zu nehmen. Ein Spagat: Wo die einen Entlastung erwarten, sehen andere die Notwendigkeit von Lenkungsinstrumenten. Der Rücktritt ist deshalb nicht nur ein Personalthema, sondern auch eine Frage, welche Rolle der ADAC künftig in der Klimadebatte einnehmen will.

Was steckt hinter der CO2-Bepreisung?

Im nationalen Emissionshandel müssen Unternehmen, die Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas in Verkehr bringen, Zertifikate für die entstehenden CO2-Emissionen kaufen. Die Kosten werden üblicherweise an Verbraucher weitergegeben. Tanken und Heizen werden dadurch teurer, klimaschonende Alternativen relativ attraktiver. 2024 lag der Festpreis bei 45 Euro je Tonne CO2, 2025 bei 55 Euro, im laufenden Jahr sind bis zu 65 Euro fällig.

Wie stark Verbraucherpreise insgesamt steigen, hängt zusätzlich vom Ölpreis und anderen Faktoren ab. Ein Blick auf das vergangene Jahr zeigt: Super E10 kostete im Jahresdurchschnitt 1,69 Euro pro Liter, Diesel 1,61 Euro – beide etwas günstiger als 2024 (1,74 bzw. 1,65 Euro) und deutlich günstiger als 2023 (1,79 bzw.1,72 Euro).

Mit Informationen von dpa

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