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Fischotter: Millionen-Kosten, Artenschutz und Teichwirtschaft?

Der Fischotter breitet sich in Bayern weiter aus und mit ihm wächst der Konflikt: steigende Schäden in der Teichwirtschaft, Millionen an Entschädigungen und Kritik vom Bayerischen Obersten Rechnungshof. Wie lässt sich der Spagat lösen?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Der Fischotter sorgt zunehmend für Spannungen in Bayern. Während Naturschützer die Rückkehr der streng geschützten Art als Erfolg feiern, kämpfen viele Teichwirte um ihre Existenz. Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) hat die Entwicklung jetzt kritisiert: Die Entschädigungen für Schäden haben sich seit 2019 auf rund 2,3 Millionen Euro jährlich verdreifacht. Gleichzeitig werde zu wenig in präventive Maßnahmen investiert.

Teichwirte unter Druck: "Keine Perspektive mehr"

Einer der Betroffenen ist Fischwirtschaftsmeister Kevin Pommerenke aus der Region Rosenheim. Seine Karpfenteiche sind für ihn mehr als nur ein Betrieb, sie sind ein Lebenstraum. "Ich hab’ mehrmals auf allen mir möglichen Instanzen durchklingeln lassen, dass es so nimmer weitergeht. Es gibt keine Perspektive mehr." Die Schäden durch Fischotter können schnell in die Zehntausende gehen. Der Freistaat ersetzt inzwischen bis zu 100 Prozent der Verluste, doch für viele reicht das nicht. Sie wollen zudem Teichwirtschaft betreiben und das mit mehr Sicherheit.

Rechnungshof kritisiert: Zu viel Geld für Entschädigung

Der Oberste Rechnungshof sieht vor allem ein Problem: Der Großteil der staatlichen Mittel fließt in Entschädigungen, deutlich weniger in Prävention wie etwa Schutz-Zäune. Die Schutz-Zäune eignen sich allerdings lediglich für kleinere Teichwirtschaften, heißt es vom Bund Naturschutz. Auch der Fischotter-Managementplan sei seit Jahren nicht grundlegend überarbeitet worden. Es brauche Daten, um mögliche Eingriffe rechtssicher zu begründen, heißt es im Statement des Obersten Bayerischen Rechnungshofs.

Naturschutz: "Artenschutz gibt es nicht zum Nulltarif"

Beim Bund Naturschutz sieht man die Debatte differenzierter. Dort heißt es: Artenschutz sei politisch gewollt und koste Geld. "Ich denke, man könnte Kosten vermeiden, wenn man eben mehr investieren würde im Bereich Zaunbau und in der Beratung." sagt Stefan Ossyssek vom Bund Naturschutz im Interview mit BR24. Der Fischotter gilt europaweit als streng geschützt. Seine Rückkehr wird als Erfolg jahrelanger Schutzmaßnahmen gewertet.

Forderung nach Abschuss, rechtlich blockiert

Viele Teichwirte fordern deshalb zusätzliche Maßnahmen, darunter auch die Möglichkeit, Fischotter gezielt zu entnehmen, sprich zu schießen. "Wenn die Entschädigung außer Kraft gesetzt wird und gleichzeitig die Entnahme nicht kommt, müssen die meisten Betriebe aufhören", warnt Teichwirt Pommerenke.

Doch genau das ist schwierig: Versuche der Staatsregierung, Abschüsse zu ermöglichen, wurden zuletzt gerichtlich gestoppt. Der Grund: hohe Anforderungen des europäischen Artenschutzrechts – und bislang unzureichende Daten zur Population.

Welche Lösungen gibt es? Blick in andere Bundesländer

Das bayerische Umweltministerium betont, man wolle die Teichwirte unterstützen, gleichzeitig müssten die strengen Vorgaben eingehalten werden. Naturschützer verweisen auf alternative Ansätze in anderen Bundesländern. "Ein Beispiel aus Sachsen: Da gibt es ein Otterbonusmodell, das bei Anwesenheit von Fischottern eine pauschale Förderung der Teichwirtschaft vorsieht", so Stefan Ossyssek vom Bund Naturschutz. Auch strukturelle Anpassungen, etwa naturnahe Teiche mit Rückzugsräumen für Fische, könnten helfen, Schäden zu verringern. Mehr Prävention statt Entschädigung, streng geschützter Artenschutz gegen wirtschaftliche Existenzängste: Der Druck wächst auf allen Seiten.

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