Frauen sind in Bayerns Kommunalpolitik die Ausnahme. In der noch laufenden Legislaturperiode ist in den Gemeinderäten nur gut ein Fünftel weiblich, in den Stadträten etwa ein Drittel. Die niedrigste Quote zeigte sich bei Landrätinnen und Landräten sowie den (Ober-)Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeistern: Nur ein Zehntel ist weiblich.
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Oberbürgermeister: Frauenanteil bei neun Prozent
Nach der Kommunalwahl im März 2026 hat sich das nach bisherigen Erkenntnissen sogar verschlechtert. Vollständige Zahlen zur Geschlechterverteilung aller Mandate liegen zwar noch nicht vor, aber sicher ist: Unter Oberbürgermeistern und Landräten werden es noch weniger Frauen. Von 54 Oberbürgermeistern sind nur fünf weiblich.
Insgesamt wurden 45 Männer und fünf Frauen ins Amt gewählt. Zusammen mit den vier bereits amtierenden Oberbürgermeistern, die in diesem Jahr nicht neu gewählt wurden, liegt die Verteilung nun bei rund 91 Prozent Männern und neun Prozent Frauen – zwei Prozentpunkte beziehungsweise eine Frau weniger als in der aktuellen Legislaturperiode.
Keine Frau mehr an der Spitze einer kreisfreien Stadt
Nach der Stichwahl gibt es in keiner kreisfreien bayerischen Stadt noch eine Frau als Oberhaupt. Die Amtsinhaberin Eva Döhla (SPD) verliert den Kampf ums Oberbürgermeisteramt in Hof. "Ich finde es bedauerlich, dass es trotz vieler Bemühungen, von Frauen wie Männern, gerade auch in der SPD, nicht gelingt, den Frauenanteil deutlich zu steigern", sagt sie im Gespräch mit dem BR. Dazu gehöre auch, den Frauen Mut zu machen und für verbesserte Rahmenbedingungen zu sorgen. Auch Eva Weber (CSU) in Augsburg (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) verliert ihr Amt. In Regensburg unterliegt Astrid Freudenstein (CSU) ihrem Kontrahenten Thomas Burger (SPD), dem Nachfolger von Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) – drei Frauen weniger in Spitzenämtern der bayerischen Kommunalpolitik.
22 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten waren weiblich
Bei der Wahl zum Oberbürgermeister beziehungsweise zur Oberbürgermeisterin in 22 der 25 kreisfreien Städte kandidierten nach Angaben des bayerischen Landesamts für Statistik 169 Personen, darunter insgesamt 37 Frauen. "Frauen werden dann aufgestellt, wenn eigentlich die Situation als nicht besonders aussichtsreich gilt, also, wenn man davon ausgeht, dass der gegnerische Kandidat gewinnen wird, oder wenn die Situation in der Kommune oft so ist, dass sich kein männlicher Bewerber findet, also die berühmte Verlegenheitskandidatin", beobachtet Helga Lukoschat, Politologin und Vorstandsvorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin.
Zeitliche und materielle Ressourcen seien zudem entscheidend auf dem Weg zu einer erfolgreichen Kandidatur. "Unsere Untersuchungen über Bürgermeister und Bürgermeisterinnen haben gezeigt, dass die Männer zumeist in traditionellen Partnerschaften leben, wo die Partnerinnen ihnen den Rücken freihalten – bei Kindern, Haushalt, Alltag. Damit haben sie in der Regel von vornherein mehr zeitliche Ressourcen als die Frauen."
Landräte: Frauenanteil bei nur acht Prozent
Auch die Zahl der Landrätinnen verzeichnet einen Rückgang seit der Wahl 2020. Nach der diesjährigen Wahl gibt es in Bayern nun 65 Landräte und sechs Landrätinnen – das entspricht 92 Prozent Männern. Verglichen mit der bisherigen Amtsverteilung verringerte sich der Frauenanteil um zwei Prozentpunkte, es gibt also eine Frau weniger.
Unter den 62 Kreisen, in denen gewählt wurde, befinden sich nur fünf Kreise mit einer künftigen Landrätin: Tamara Bischof (FREIE WÄHLER) in Kitzingen (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt), Sonja Rahm (FREIE WÄHLER) in Röhn-Grabfeld, Tanja Schweiger (FREIE WÄHLER) im Landkreis Regensburg sowie Susanne Hoyer (CSU) im Landkreis Freising und Daniela Groß (GRÜNE) in Landsberg am Lech. Hoyer und Groß konnten sich erst in der Stichwahl durchsetzen. Neben Freising und Landsberg war auch in den Landkreisen Donau-Ries, Fürstenfeldbruck, Neumarkt in der Oberpfalz, Landshut sowie Main-Spessart jeweils eine Frau in der Landratsstichwahl angetreten.
Insgesamt waren laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik 313 Personen für die Landratswahlen in 62 der 71 Landkreise nominiert. Der Frauenanteil lag mit 69 Bewerberinnen bei 22 Prozent.
Quote in den Gemeinde- und Stadträten sowie Kreistagen noch nicht bekannt
Wie sich der Frauenanteil in den Gemeinde- und Stadträten sowie in den Kreistagen entwickelt, lässt sich anhand der bisher vorliegenden Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik noch nicht sagen. Durch Kumulieren und Panaschieren hatten die Bürgerinnen und Bürger allerdings die Möglichkeit, sich ihren eigenen Stadtrat, Gemeinderat oder Kreistag zusammenzustellen. Jeder Wähler und jede Wählerin konnte, wenn er oder sie das wollte, weibliche Bewerberinnen ankreuzen – unabhängig davon, wie hoch der Frauenanteil auf dem Stimmzettel war.
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