Aktuell leben rund 930.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland. So steht es im Ausländerzentralregister. Wie viele in ihre Heimat zurückkehren wollen oder müssen, darüber wird schon lange diskutiert. Nach Angaben des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa könnten es 80 Prozent sein, wenn der Wiederaufbau entsprechend vorangeht.
Mohamad Alhamod: "Deutschland ist für mich Heimat"
Mohamad Alhamod kam vor zwölf Jahren aus Syrien nach Deutschland. Deutschland sei für ihn ein Stück Heimat, sagt Alhamod. Das gilt vor allem für seine Kinder, die Syrien nicht kennen: "Für meine Kinder ist Arabisch eine Fremdsprache, ihre Muttersprache ist Deutsch. Beide gehen sie aufs Gymnasium. Eine Rückkehr ist für uns schwer zu akzeptieren", so der Münchner Modedesigner Alhamod. Seine Flucht über die Balkanroute nach Deutschland dauerte drei Monate. Mittlerweile ist er selbstständig und beschäftigt in seinen drei Ateliers mehrere Mitarbeiter. 320.000 syrische Staatsangehörige arbeiten in Deutschland sozialversicherungspflichtig.
Bayerns Innenminister begrüßt Rückkehrdebatte
Die Diskussion über die Rückkehr von Syrern ist laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sehr wichtig. Syriens Übergangspräsident habe deutlich gemacht, dass das Land die Rückkehrer brauche, um es wieder aufzubauen. "Und umgekehrt haben wir zu viele Syrer zur Zeit in unserem Land", so Herrmann. Es gebe "ein paar die schon hervorragend integriert sind, die hervorragende Jobs in unserem Land haben. Da freuen wir uns, wenn die bei uns bleiben", so Herrmann. Es gebe aber auch Straftäter und Gefährder und Personen die nach zehn Jahren noch immer nicht richtig Deutsch gelernt hätten und keinen Job haben. "Und all die müssen möglichst schnell in ihre Heimat zurückkehren", so Herrmann.
Von der Bundesregierung erwartet Herrmann, dass jetzt mehr Rückführungen möglich werden. Abschiebungen nach Syrien waren seit Beginn des Bürgerkriegs ausgesetzt. Auch nach dem Sturz des Assad-Regimes gab es laut bayerischem Innenministerium 2025 und 2026 aus Bayern bislang keine Abschiebung nach Syrien.
Bayerns Gesundheitssystem braucht Fachkräfte
Laut dem Patienten- und Pflegebeauftragten der bayerischen Staatsregierung Thomas Zöller (Freie Wähler) verkennt eine pauschale Rückkehrforderung syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge die Realität unseres Gesundheitssystems. "Viele syrische Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte sind unverzichtbar für die Versorgung vor Ort." Wer ihre Rückkehr fordere, verschärfe den Fachkräftemangel und gefährde die Patientenversorgung. Keine Versorgungsnot sieht hingegen die Bayerische Krankenhausgesellschaft. Es gebe rund 36.000 Krankenhausärzte in Bayern. 672 davon haben laut Eduard Fuchshuber von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft die syrische Staatsangehörigkeit. "Wenn die Rückführung kommt, sehen wir keine Versorgungsnot, aber natürlich können punktuell in manchen Krankenhäusern Versorgungsengpässe entstehen", so die Einschätzung von Fuchshuber.
Kommunen fordern Planungssicherheit, aber auch Entlastung
Der Deutsche und der Bayerische Städtetag wünschen sich von der Bundesregierung eine Regelung für den Verbleib von Fachkräften. Es seien sehr viele syrische Fachkräfte im Gesundheitsbereich tätig, so der Pressesprecher des Bayerischen Städtetags, Achim Sing. Zugleich bleiben aber laut Sing die Integration und die Unterbringung von Flüchtlingen unverändert eine Daueraufgabe für die Kommunen, die hohe finanzielle Mittel bindet.
Aus Sicht des Präsidenten des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl (CSU), gleicht die Rückkehrdiskussion einer Medaille mit zwei Seiten. Die Syrer, die für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können, will die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung laut Brandl hier behalten. "Aber auf der anderen Seite gibt es auch große Ressentiments, eine nicht unbeträchtliche Zahl durch die Sozialsysteme zu jagen und durchzufüttern", so Brandl.
Der Erste Vizepräsident des Bayerischen Landkreistags, Thomas Habermann (CSU), hat die Äußerungen des Bundeskanzlers mit Interesse zur Kenntnis genommen: "Wir wünschen uns allerdings eine differenziertere Aussage, um die Interessen unserer Landkreise und die Bedürfnisse der Betroffenen bewerten zu können", so Habermann.
Syrer in Bayern
Nach dem Ausländerzentralregister halten sich aktuell rund 88.000 syrische Staatsangehörige in Bayern auf. Eingebürgerte Syrer sind nicht im AZR erfasst. Von 2005 bis einschließlich 2024 wurden laut bayerischem Innenministerium in Bayern über 29.000 Syrer eingebürgert. 2020 waren es nur 500 Einbürgerungen, 2022 dann bereits knapp 6000, 2023 über 10.000 und 2024 gut 9300. Für das Jahr 2025 liegen dem bayerischen Innenministerium noch keine Zahlen vor.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

