Was Feiertage wirklich bedeuten, scheint immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Während viele Menschen gerade noch wissen, was laut der christlichen Lehre an Weihnachten und Ostern passiert sein soll, wird es bei kirchlichen Festen wie "Fronleichnam" oder "Pfingsten" schon deutlich schwieriger.
Ursprung der Feiertage wird vergessen
Kein Wunder, denn immer mehr Menschen in Bayern verlassen die Kirche. Der katholischen Kirche gehören nur noch rund 5,4 Millionen Menschen an – bei der evangelischen Kirche rutschte die Mitgliederzahl erstmals unter die Zwei-Millionen-Marke.
An Sonntagen bleiben die Kirchen oft weitgehend leer, selbst am höchsten christlichen Feiertag, dem Ostersonntag. Trotzdem: Von 13 Feiertagen in Bayern haben elf einen christlichen Ursprung.
Wirtschaft fordert Streichung von Feiertagen
Wirtschaftsverbände fordern immer wieder, einen der 13 Feiertage im Freistaat abzuschaffen. Laut dem Verband der Bayerischen Wirtschaft (vbw) könnte ein Arbeitstag pro Jahr mehr das Bruttoinlandsprodukt um mindestens fünf Milliarden Euro heben.
In Bayern würde dies nach konservativer Einschätzung einer Steigerung der Wirtschaftsleistung von 900 Millionen Euro gleichkommen. Deutschlandweit würden sich aus einem Tag Mehrarbeit mehr Staatseinnahmen von über 2,5 Milliarden Euro im Jahr ergeben. "In der Erhöhung der Arbeitszeit liegt großes Potenzial", so der vbw. Gewerkschaftsnahe Institutionen stellen diese Rechnung allerdings infrage.
Mögliche Auswirkungen gestrichener Feiertage könne man laut dem vbw bereits 2026 sehen. Dieses Jahr fallen ohnehin drei Feiertage auf ein Wochenende, nämlich der Tag der Deutschen Einheit, Allerheiligen und der 2. Weihnachtsfeiertag. Das mache bei der Prognose für Bayern von 0,7 Prozent Wachstum bereits 0,2 Punkte aus.
Soziologen: Feiertage symbolisieren Gemeinschaft
Dagegen sprechen sich Soziologen für die Beibehaltung von Feiertagen aus. Professor Bernt Schnettler von der Universität Bayreuth ist überzeugt, dass Feiertage weiterhin noch ihre Berechtigung haben. Trotz sinkender Kirchenmitgliedschaften würden die Kirchen in Bayern immer noch eine wichtige Rolle spielen.
"Außerdem sind Feiertage so etwas wie die Symbole einer Gemeinschaftsbildung", sagt der Wissenschaftler. "Sie bieten Familien die Gelegenheit, sich zu treffen, über Generationen hinweg." Denn an verlängerten Wochenenden ließe sich ein Besuch bei den Großeltern oder bei Freunden einfacher organisieren.
Ein eigener Feiertag für Muslime?
Im Zuge der Debatte um Feiertage wird auch immer wieder diskutiert, ob Muslime in Deutschland einen eigenen Feiertag zum Ende ihres Fastenmonats Ramadan bekommen sollten. In Bayern leben laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzungsweise bis zu 700.000 Muslime. Das entspricht rund sechs Prozent der bayerischen Gesamtbevölkerung.
Dursun Tosun vom Vorstand der türkisch-islamischen Moschee-Gemeinde in München-Pasing sagt, er würde sich einen Feiertag für muslimische Gläubige wünschen. Aber er ist nicht dafür, deswegen den Christen einen Feiertag "wegzunehmen". Für Bernt Schnettler von der Uni Bayreuth hätte ein gesetzlicher Feiertag für die vielen muslimischen Mitmenschen eine große Symbolik: "Es würde Wertschätzung ausdrücken."
Weniger Feiertage, mehr Urlaubstage?
Eine weitere Möglichkeit wäre, die Anzahl religiöser Feiertage generell zu verringern – und dafür mehr individuelle Urlaubstage einzuführen. Dann könnte jeder praktizierende Christ oder Muslim an dem religiösen Fest teilnehmen, das ihm wichtig ist. Professor Schnettler sagt dazu, dass dies eine logische Folge der zunehmenden gesellschaftlichen Individualisierung wäre.
Andererseits sieht er für diesen Vorschlag auf politischer Ebene wenig reale Chancen zur Umsetzung. Deutlich dagegen spricht sich der vbw aus: Insgesamt müsse eher die Arbeitszeit erweitert werden, als die freien Tage. Denn Deutschland habe heute schon mehr freie Tage als der Durchschnitt der Industrieländer weltweit.
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