So viele Flaggen hat der Ministerpräsident beim Speed-dating durch die Bundesstaaten gesehen, dass sie ihm gleich in den Sinn kommen als wir nach dem Ergebnis dieser Reise fragen: "Wir haben in den USA eine Flagge gesetzt", sagt Markus Söder (CSU) und sieht den Kurztrip als Baustein seiner Strategie, Bayern bei Auslandsreisen auf regionaler Ebene zu vernetzen und Partnerschaften zu schmieden. Und so fiel der Name Trump nicht allzu oft auf dieser Reise nach South-Carolina und Texas. Stattdessen war schon am ersten Abend die Zielrichtung der Reise erkennbar, beim "Bavarian Day" auf einer typischen texanischen Ranch. Washinton ist weit weg von Texas, hat man dort dem Gast aus München zwischen BBQ, Country-Musik und Cowboyhüten eingeimpft – Berlin von Bayern auch, hat Söder schmunzelnd erwidert.
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Söder: "Bayern ist ein strategisch wichtiger Partner"
Natürlich bedient ein solcher Termin Klischees. Und ebenso die Ablehnung all jener, die keinen Gefallen finden an den meist vom Essen dominierten Social-Mdia-Auftritten des bayerischen Ministerpräsidenten. Die andere, möglicherweise größere Klientel, sieht aber Söders unermüdlichen Einsatz für alles, was mit Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft zu tun hat. Drei Tage später, kurz vor der Rückreise nach Bayern, wird er dazu sagen: "Bayern hat einen Klang in der Welt. Bayern ist ein strategisch wichtiger Partner. Das gilt für Technologie, für KI, für das Auto und für die Luft und Raumfahrt."
Besuch bei der Nasa in Texas
Beim Besuch der Nasa in Houston/Texas treffen sich dann ganz unaufdringlich die Interessen des Freistaates mit dem des bekennenden Weltraumfans Söder.
Der Ministerpräsident steht im Kontrollzentrum und starrt auf den riesigen Bildschirm. Zu sehen ist darauf Markus Söder – eingerahmt von der Bayerischen Fahne und der Raumstation ISS. Der Ministerpräsident ist gekommen, um Allianzen zu festigen und zu schmieden. Dazu soll die Zusammenarbeit zwischen der Nasa und dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen bei München weiter ausgebaut werden.
Und immer wieder ist die Rede von der neuen Mondmission. Dass Bayern daran beteiligt ist sieht Söder als große Chance für den Freistaat. Tatsächlich machen in der Luft- und Raumfahrtbranche rund 40.000 Mitarbeiter in 550 bayerischen Unternehmen jährlich 12 Milliarden Euro Umsatz. Geld verdienen ist das eine, aber das was Raumfahrt ausmacht, sei noch viel mehr, sagt die aus Bayern stammende Reservesastronautin Amelie Schönenwald. "Raumfahrt ist Technologie, Innovation, Wissenschaft, Medizin. Alles, was dort gemacht wird, soll ja auch der Menschheit dienen und uns allen am Ende Erfolg bringen."
Größtes BMW-Werk in Spartanburg
Vom Zukunftsmarkt Weltraumforschung war es nicht weit zur Zukunft der Mobilität. Bayern ist Autoland, sagt Söder – und machte sich auf zum BMW-Werk in Spartanburg/South Carolina. Was dort in ländlicher Umgebung mit vergleichsweise wenigen Autos angefangen hat, ist mittlerweile das weltweit größte BMW-Werk. Rund 11.000 Angestellte arbeiten hier. Täglich rollen mehr als 1.500 Fahrzeuge vom Band.
700 Bayerische Firmen haben Standorte in den USA, so auch die Firma Everllence, vormals MAN. Das Augsburger Unternehmen gehört weltweit zu den größten Maschinen- und Anlagenbauern. Beim Besuch des Ministerpräsidenten lässt Firmenchef Uwe Lauber durchblicken, dass Besuche wie der des Ministerpräsidenten den Unternehmen Rückendeckung geben. Und man wolle, ergänzt Söder, dass Bayerns Wirtschaftskraft ausgebaut werden könne, möglichst auf beiden Seiten des Atlantiks.
Zu Ende ging Söders USA-Reise mit dem Besuch bei der Regierung von South Carolina und einem Treffen mit dem Gouverneur des Bundesstaates Henry McMaster. Es gelte, unterhalb der Präsidialebene Netzwerke und Partnerschaften auszubauen, so Söder. Und was sagt er all jenen, die solche Reisen für Geldverschwendung halten: "Das ist ganz einfach", sagt Söder. "Daheim bleiben und sich einzuschließen wird der Exportnation Bayern nichts bringen. Insofern muss man eben immer unterwegs sein für Bayern."
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