Ein Ehepaar mit Stimmzetteln zur Kommunalwahl am 8. März in München
Bildrechte: picture alliance / Wolfgang Maria Weber | Wolfgang Maria Weber

Ein Ehepaar mit Stimmzetteln zur Kommunalwahl am 8. März in München

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Wer löst Probleme? Ein Viertel nennt im BayernTrend keine Partei

Wem trauen die Bayern zu, Probleme zu lösen? Kurz vor der Kommunalwahl kann jeder Vierte keine Partei oder Liste nennen. Laut BR24 BayernTrend verlieren vor allem CSU, SPD und Grüne an Vertrauen. AfD sowie kleine Parteien und freie Listen legen zu.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Es ist nicht eine Wahl, es sind viele: 1.900 Erste Bürgermeister, 22 Oberbürgermeister, 62 Landräte werden am 8. März in Bayern gewählt. Zudem wird über die Zusammensetzung von mehr als 2.100 Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten entschieden: Dabei haben Wählerinnen und Wähler anders als bei anderen Urnengängen nicht eine oder zwei Stimmen, sondern können Dutzende verteilen. Kommunalparlamente sind oft bunter zusammengesetzt als der Landtag oder Bundestag.

So unterscheidet sich auch der BR24 BayernTrend zur Kommunalwahl von anderen BayernTrends. Gefragt wurden die Menschen nicht, welcher Partei sie aktuell ihre Stimme geben würden (Sonntagsfrage), sondern: Welcher Partei, Liste oder Bürgervereinigung sie alles in allem am ehesten zutrauen, die wichtigsten Probleme vor Ort zu lösen. Das Ergebnis: Am größten ist in Bayern mit 26 Prozent mittlerweile die Gruppe der Menschen, die keiner Partei oder Liste Lösungskompetenz in der eigenen Kommune attestiert: weil sie keiner Partei traut (8), keine nennen kann (14) oder will (4 Prozent). Der Anteil dieser Gruppe ist insgesamt sechs Prozentpunkte größer als vor der Kommunalwahl 2020.

Der BR24 BayernTrend nach Regierungsbezirk

CSU vorn, AfD legt deutlich zu

Der CSU trauen 25 Prozent der Bayern am ehesten zu, die wichtigsten Probleme vor Ort zu lösen. Damit liegen die Christsozialen in dieser Frage deutlich vor allen anderen Parteien, büßen aber neun Prozentpunkte ein. Den Freien Wählern bescheinigen zehn Prozent die größte kommunalpolitische Kompetenz (-1). Der SPD trauen neun Prozent Lösungen vor Ort zu (-5 Punkte), den Grünen fünf Prozent (-4).

Deutlich besser als 2020 steht die AfD da: Ihr bescheinigen neun Prozent Lösungskompetenz, ein Plus von sieben Prozentpunkten. Die Linke liegt bei drei Prozent (+1). FDP, ÖDP und Volt kommen jeweils auf ein Prozent. Anderen Parteien sowie lokalen Wählervereinigungen und Bündnissen trauen zehn Prozent der Bayern zu, Probleme in den Griff zu bekommen.

Bildrechte: BR24/Infratest dimap
Artikel mit Bild-InhaltenBildbeitrag

BR24 BayernTrend: Kommunales Lösungsvertrauen

Ältere vertrauen besonders der CSU

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Alter der Bayern. Der CSU bringen in der Kommunalpolitik besonders Ältere Vertrauen entgegen: Jeder Dritte (33 Prozent) ab 65 Jahren bescheinigt der CSU Kommunalkompetenz, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es nur 18 Prozent.

Auch die SPD hat unter den Älteren (zwölf Prozent) ihren höchsten und bei den Jüngeren (sechs Prozent) ihren niedrigsten Wert. Bei der AfD ists es umgekehrt: Unter den 18- bis 34-Jährigen vertrauen ihr 15 Prozent, unter Menschen ab 65 Jahren sind es nur drei Prozent. Auf die Linke setzen fast ausschließlich Jüngere.

Regionale Unterschiede

Den Freien Wählern sprechen vor allem Menschen in Kleinstgemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern die größte Kompetenz zu: 13 Prozent. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern sind es nur drei Prozent. Dagegen genießen SPD und Grüne in Großstädten am meisten Vertrauen und in kleinen Dörfern am wenigsten. Bei CSU und AfD unterscheiden sich die Werte je nach Größe der Kommunen weniger.

Auch regional zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede: In Niederbayern attestieren den Freien Wählern 15 Prozent der Bayern Lösungskompetenz, in Oberbayern nur fünf Prozent. Die SPD kommt in Mittelfranken auf 15 Prozent, in Niederbayern auf vier. Die Grünen liegen zwischen acht Prozent in Oberbayern und zwei in der Oberpfalz. Bei der AfD reicht die Bandbreite von elf bis acht Prozent, bei der CSU von 29 Prozent (Oberpfalz) bis 22 Prozent (Mittelfranken).

Hohes Interesse an Kommunalwahl

Sieben von zehn Menschen im Freistaat interessieren sich laut BayernTrend für die Kommunalwahl: 72 Prozent bekunden ein starkes oder sehr starkes Interesse, für 28 Prozent hat die Wahl einen geringen oder gar keinen Stellenwert.

Drei Prozent der Bayern geben an, sich selbst in der Kommunalpolitik zu engagieren. 23 Prozent können sich vorstellen, mitzuwirken. Für 71 Prozent kommt ein kommunalpolitisches Engagement eher nicht oder auf keinen Fall in Frage.

Bildrechte: BR24/Infratest dimap
Artikel mit Bild-InhaltenBildbeitrag

BayernTrend: Bereitschaft zu kommunalpolitischem Engagement

Die Lebensbedingungen in ihrer Stadt und Gemeinde stufen die Bayern insgesamt sehr positiv ein: 85 Prozent sind insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden. Gut bestellt ist es aus Sicht der Menschen um Sicherheit und Ordnung: 79 Prozent sind zufrieden. Auch bei der wirtschaftlichen Situation (59), Schulen und Kitas (58) sowie dem Zustand von Straßen, Brücken und Radwegen (51) überwiegt die positive Einschätzung. Deutlich geringer ist die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr (44 Prozent) und insbesondere der Lage bei Wohnraum und Mieten (30 Prozent).

Bildrechte: BR24/Infratest dimap
Artikel mit Bild-InhaltenBildbeitrag

BayernTrend: Zufriedenheit mit Lebensbereichen

Der BR24 BayernTrend zur Kommunalwahl

Für den BR24 BayernTrend zur Kommunalwahl befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 29. Januar bis 20. Februar 2026 telefonisch und online insgesamt 3.621 Wahlberechtigte in Bayern – in jedem bayerischen Regierungsbezirk mehr als 500. Es handelt sich um eine repräsentative Studie. Veröffentlicht werden die Ergebnisse in Kooperation mit mehreren bayerischen Regionalzeitungen: "Augsburger Allgemeine", "Donaukurier", "Main-Post", "Mittelbayerische", "Münchner Merkur", "Nürnberger Nachrichten", "Passauer Neue Presse", "tz".

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!