Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt gegen zwei Funktionäre des Deutschen Alpenvereins (DAV), einen aktiven und einen ehemaligen. Das hat die Behörde auf BR24-Anfrage am Dienstagnachmittag mitgeteilt. Einer der beiden Funktionäre ist nach ARD-Recherchen der derzeitige sportliche Leiter für Skibergsteigen des DAV, der andere der ehemalige Bundestrainer.
- Zum Artikel bei der Sportschau: Ärger bei den Skibergsteigern: Schwere Vorwürfe überschatten Olympia-Premiere
Vorwürfe: gefährliche Körperverletzung und Nötigung
Skibergsteigen war in diesem Jahr erstmalig olympische Disziplin. Der DAV ist der zuständige Spitzensport-Fachverband für die Sportart Skimo (Ski Mountaineering) beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Der Staatsanwaltschaft Traunstein zufolge haben drei Athletinnen und Athleten des DAV Strafanzeige erstattet. Die Vorwürfe beziehen sich auf leistungsdiagnostische Tests im April 2024.
An diesen haben die Athleten und Athletinnen – die sich damals Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme machten – am Olympia-Stützpunkt Ruhpolding im Rahmen einer Studie teilgenommen. Im Raum stehen unter anderem gefährliche Körperverletzung und Nötigung.
Athlethen: bis zu 60-mal am Tag Blut abgeben müssen
Die Athleten werfen den Beschuldigten unter anderem vor, sie seien unzureichend über den Umfang der Tests aufgeklärt worden. Sie hätten bis zu 60-mal am Tag Blut abgeben müssen. Zudem seien Hygiene-Standards verletzt worden. So habe das Testpersonal dieselben blutverschmierten Handschuhe bei mehreren Athleten verwendet.
Zudem – so die Skibergsteiger – hätten sie sich genötigt gefühlt, an den Tests teilzunehmen. In einer E-Mail habe man ihnen andernfalls mit Konsequenzen bis hin zum Ausschluss vom Kader gedroht.
DAV äußerte sich schriftlich
Der DAV hat zu den Vorwürfen auf seiner Webseite schriftlich Stellung genommen. Dort erklärt der Verband, man stehe an der Seite der beiden Angeschuldigten, denn sie hätten "für die Entwicklung des Skimo-Sports in Deutschland große Verdienste geleistet". Gleichzeitig erklärt der Verband: "Die in Rede stehenden Vorgänge sind im DAV seit langem bekannt, wurden in den dafür vorgesehenen Strukturen und Prozessen gewürdigt und Lösungsvorschläge gemeinsam mit allen erarbeitet." Es sei dem DAV "ein großes Anliegen, dass die Dinge sorgfältig, transparent und umfassend aufgeklärt und die richtigen Schlüsse gezogen werden". Der Schutz der Athleten und Athletinnen stehe dabei immer im Zentrum.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Ermittlungsverfahren aufgrund der umfangreichen Vorwürfe mehrere Monate dauern könnte. Erst dann entscheidet sich, ob Anklage erhoben wird. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
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