Zwei oder drei Jahre hätte er gerne noch weitergemacht, als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), gibt Bischof Georg Bätzing zu. Eine Amtszeit, die laut Satzung sechs Jahre dauert, sei allerdings eine zu lange Zeit. Er scheidet aus, obwohl er, der als Reformer innerhalb der Bischöfe gilt, den Synodalen Weg gerne noch gefestigt hätte.
Reformbewegung innerhalb der Kirche war für ihn fordernd
Der Synodale Weg, die Reformbewegung, bei der Priester und Bischöfe gemeinsam mit Laien um Reformen in der katholischen Kirche gerungen hatten, kostete ihn Energie und ging an die Substanz.
"Das Zusammenkommen mit den Brüdern ist eigentlich immer schön", sagt Bischof Georg Bätzing vor dem Beginn der Vollversammlung der Bischöfe in Würzburg – und dann lässt er doch noch durchblicken, wie kraftraubend und aufreibend es war, dieser Gemeinschaft von rund 60 Bischöfen aus den unterschiedlichen kirchlichen Lagern vorzustehen: "Man ist nicht in allem einer Meinung. Aber man weiß, das sind die Brüder, die suchst Du Dir nicht aus. Mit denen bist Du zusammen in eine Familie gestellt und mit denen willst Du auch zurechtkommen."
Druck der ungeduldigen Kirchenbasis in Deutschland ist groß
So verweigern vier der deutschen Bischöfe eine Fortsetzung des Reformweges. Auch Rom blockierte den Synodalen Weg, und immer neu wurde der Vorwurf im Vatikan platziert, Bätzing wolle die Deutsche Kirche von Rom abspalten.
Zu den Vorwürfen kam Bätzings offensichtliches Manko: Er spricht kein Italienisch, war in Rom nicht gut vernetzt. Erst durch intensive Pendeldiplomatie einiger mit Rom besser vertrauter Bischöfe fielen manche Zerrbilder des Deutschen in sich zusammen.
Zugleich erlebte Bätzing den Druck einer ungeduldigen Kirchenbasis in Deutschland, der alles viel zu langsam geht. Der Bischof von Limburg musste ausgleichen, ohne seine eigenen Positionen aufzuweichen.
Bei seinem Abschied in Würzburg sagte er am Montag, dass er gerne noch die Ergebnisse des Synodalen Wegs gefestigt hätte. Bätzing sprach sinngemäß auch davon, dass er hierfür inzwischen Rückenwind aus Rom verspüre.
Bätzing sorgt sich um rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft
Mit Blick auf Politik und Gesellschaft zeigte sich der scheidende DBK-Vorsitzende besorgt über die rechtsextremen Tendenzen in der Gesellschaft und warnte eindringlich vor der AfD. Gleichwohl sei er persönlich nicht für ein AfD-Verbotsfahren, Probleme löse man nicht durch Verbote, so Bätzing – und warb für ein Einstehen der Menschen gegen Demokratiefeindlichkeit. "Bleibt nicht im Sessel hocken, steht auf!", so Bätzing wörtlich.
Am Dienstagvormittag wählt das Gremium Bätzings Nachfolger: "Wir wählen kein Profil, sondern eine Person", so der Bischof von Limburg. Und: Er wünsche sich einen Nachfolger, der die Unterschiede innerhalb der Bischöfe so moderieren möge, dass sie einander verstehen könnten.
Große Chancen für das Amt werden unter anderem dem Paderborner Erzbischof Udo Bentz, Hildesheims Bischof Heiner Wilmer sowie Würzburgs Bischof Franz Jung eingeräumt.
Im Video: Nachfolger für Bätzing gesucht
Bischofskonferenz
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