Er ist ein frommer Mann, der erste Ordensmann, der nun das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland ist. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden beschreibt Bischof Heiner Wilmer sich selbst so: "Ich bin ein Pilger auf dem Weg. In der einen Hand das Evangelium, in der anderen Hand die Menschen im Blick. Und manchmal werde ich wohl zuerst auf die Menschen schauen müssen, um das Evangelium besser zu verstehen."
Sehr konkret wurde Wilmer bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg nicht. Aber immer wieder wurde klar: Er ist ein frommer Mann, der die Bibel zitiert und nach eigenen Worten auf den Heiligen Geist baut: "Gott im Zentrum, und der Friede für die Welt, und die Gerechtigkeit als Aufgabe", so Wilmer.
Aufgabe der Kirche: Friede für die Welt und Gerechtigkeit
In Reformfragen gilt er als einer der Bischöfe, der den Synodalen Weg weitergehen will. Er fordert eine Auflösung des "Männerbündischen" der katholischen Kirche und eine starke Rolle der Frauen – inklusive Öffnung zum Diakonat der Frau. Er setzt sich für eine Neubewertung der kirchlichen Sexualmoral ein, orientiert an der Lebenswirklichkeit der Menschen. Und dennoch gibt er sich direkt nach der Wahl diplomatisch: "Ich setze mich ein, für die Kompetenz der Frauen, um diese sichtbar zu machen und diese zu fördern. Und ich freue mich auf den Austausch mit Rom, und wir sind auf einem guten Weg."
Den Pflichtzölibat hält er für diskutabel. Konservative kritisieren ihn deswegen, er relativiere die Identität der Kirche zugunsten struktureller Reformen. Reformgruppen sehen in ihm einen Bischof, der sich vom Geist des Synodalen Wegs erkennbar leiten lässt.
"Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche"
In der Missbrauchsaufarbeitung setzte er von Beginn an auf Transparenz und Unabhängigkeit. Er machte klar: "Der Missbrauch hat auch mit dem System Kirche zu tun." In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte er einmal zugespitzt: "Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche."
Damit rückte er die Strukturen – Klerikalismus, Männerbünde, mangelnde Kontrolle – in den Fokus. 2019 setzte er eine unabhängige Kommission ein, um die Vorwürfe gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen zu untersuchen. Wilmer spricht davon, dass in der Kirche "Macht neu gedacht" werden müsse, und betont, eine Haltung nach dem Motto "weiter so" wäre für ihn persönlich "Verrat am Evangelium".
Wilmer: "Frieden ist eine Aufgabe"
Deutliche Worte findet der neue Vorsitzende der Bischöfe zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: "Im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt. Frieden ist kein ferner Traum. Frieden ist eine Aufgabe. Frieden, der diesen Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit."
Für den neuen DBK-Chef steht einiges auf der Agenda: die katholische Kirche habe schwere Zeiten hinter sich und Hürden vor sich, gibt er zu. Mitgliederschwund, Reformbedarf, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, sind nur einige Themen. "Wir haben Probleme und Herausforderungen. Aber die Gläubigen vor Ort sind gut drauf. Davon lasse ich mich als Bischof anstecken."
Mit Heiner Wilmer haben die Bischöfe einen Mann an die Spitze gewählt, der die Schwierigkeiten sieht, und mit viel Gottvertrauen das neue Amt angeht.
Video: Irme Stetter‑Karp zum neuen Bischofskonferenz‑Vorsitzenden
Irme Stetter-Karp ist Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die Wahl von Bischof Wilmer sei eine Richtungsentscheidung.
"Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche"
In der Missbrauchsaufarbeitung setzte er von Beginn an auf Transparenz und Unabhängigkeit. Er machte klar: "Der Missbrauch hat auch mit dem System Kirche zu tun." In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte er einmal zugespitzt: "Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche."
Damit rückte er die Strukturen – Klerikalismus, Männerbünde, mangelnde Kontrolle – in den Fokus. 2019 setzte er eine unabhängige Kommission ein, um die Vorwürfe gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen zu untersuchen. Wilmer spricht davon, dass in der Kirche "Macht neu gedacht" werden müsse, und betont, eine Haltung nach dem Motto "weiter so" wäre für ihn persönlich "Verrat am Evangelium".
Wilmer: "Frieden ist eine Aufgabe"
Deutliche Worte findet der neue Vorsitzende der Bischöfe zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: "Im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt. Frieden ist kein ferner Traum. Frieden ist eine Aufgabe. Frieden, der diesen Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit."
Für den neuen DBK-Chef steht einiges auf der Agenda: die katholische Kirche habe schwere Zeiten hinter sich und Hürden vor sich, gibt er zu. Mitgliederschwund, Reformbedarf, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, sind nur einige Themen. "Wir haben Probleme und Herausforderungen. Aber die Gläubigen vor Ort sind gut drauf. Davon lasse ich mich als Bischof anstecken."
Mit Heiner Wilmer haben die Bischöfe einen Mann an die Spitze gewählt, der die Schwierigkeiten sieht, und mit viel Gottvertrauen das neue Amt angeht.
Im Audio: Bischof Heiner Wilmer, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz
Bischof Heiner Wilmer ist der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz.
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