Eine russische Drohne ist in ein Wohnhaus im Nato-Mitgliedsland Rumänien gestürzt. Dabei seien in der Stadt Galati zwei Menschen verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest am Freitagmorgen mit. Nach dem Angriff brach im zehnten Stock des Gebäudes ein Feuer aus. Galati liegt an der Donau, die Grenze zur Ukraine ist nur wenige Kilometer entfernt.
Rumänien kritisiert "unverantwortliche Eskalation"
Das rumänische Außenministerium warf Russland eine "schwerwiegende und unverantwortliche Eskalation" vor. Das EU- und Nato-Land forderte mehr Mittel zur Abwehr. Man habe das Nato-Generalsekretariat über den Vorfall informiert und um die Beschleunigung des Transfers von Drohnen-Abwehrtechnik nach Rumänien gebeten. Rumänien werde diese "gravierende Verletzung des internationalen Rechts und seines Luftraums mit diplomatischen Maßnahmen beantworten", hieß es. Rumänien bestellte den russischen Botschafter in Bukarest ein.
Scharfe Kritik von der Nato und der EU
Die Nato und die EU kritisierten den Angriff scharf. Die Nato warf Russland Rücksichtslosigkeit vor. Die Nato werde ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter verstärken, erklärt ein Sprecher des Militärbündnisses auf der Social-Media-Plattform X. Dies betreffe auch Drohnen.
Russland hat nach den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erneut eine Grenze überschritten. "Wir stehen voll und ganz solidarisch an der Seite Rumäniens und seines Volkes", erklärt sie auf X (externer Link). "Während wir unsere Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen, insbesondere an unserer Ostgrenze, weiter verstärken, werden wir den Druck auf Russland weiter erhöhen. Wir bereiten das 21. Sanktionspaket vor."
EU-Ratspräsident António Costa verurteilte die "leichtsinnige" Eskalation durch Russland "auf das Schärfste". Die EU stehe geschlossen dazu, den Druck auf Russland durch Sanktionen zu erhöhen, so Costa auf X (externer Link). Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer "eklatanten und schwerwiegenden" Verletzung der Souveränität Rumäniens und des europäischen Luftraums.
Der Einschlag der russischen Drohne zeigt nach Einschätzung des französischen Europaministers Benjamin Haddad, dass Russland eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt. "Russland hat nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur bedroht", sagt Haddad dem französischen Hörfunksender RMC. "Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass wir im Rahmen der Nato-Sicherheitseinsätze französische Truppen in Rumänien stationiert haben, um insbesondere unsere Unterstützung für die Souveränität unserer Partner in Europa zu demonstrieren."
Österreich verurteilt den Drohnenangriff als "weitere gefährliche Eskalation". Der Angriff sei absolut verabscheuungswürdig, erklärt Kanzler Christian Stocker (ÖVP) auf X (externer Link).
Moldau besorgt: "Das ist ein ernster Vorfall"
Auch Moldaus Präsidentin Maia Sandu äußerte sich besorgt. Die frühere Sowjetrepublik grenzt sowohl an Rumänien als auch an die Ukraine. "Das ist eine ernster Vorfall". Die Republik Moldau stehe "voll und ganz an der Seite Rumäniens". Russland sei "eine Gefahr für alle und muss gestoppt werden".
Der Angriff wird nach Angaben des finnischen Präsidenten Alexander Stubb in der Nato diskutiert. "Die Angelegenheit wird in einer gemeinsamen Sitzung behandelt", schrieb Stubb auf X (externer Link). Er führte dies aber nicht weiter aus.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 wurden wiederholt Drohnen im Luftraum Rumäniens gesichtet und Fragmente abgestürzter Drohnen auf rumänischem Staatsgebiet gefunden. Rumänien und die Ukraine teilen sich eine etwa 600 Kilometer lange Grenze, sie ist Teil der Nato-Außengrenze.
Ein im vergangenen Jahr in Rumänien verabschiedetes Gesetz erlaubt den Abschuss von Drohnen, die in den Luftraum des südosteuropäischen Landes eindringen. Bislang wurde davon jedoch kein Gebrauch gemacht.
Immer wieder Luftraumverletzungen
Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kommt es immer wieder zu Luftraumverletzungen durch Drohnen Russlands oder auch der Ukraine. Im Herbst vergangenen Jahres waren zudem russische Militärjets in den estnischen Luftraum eingedrungen. Das Land beantragte daraufhin eine Sitzung des Nordatlantikrats, dem höchsten politischen Entscheidungsgremiums der Allianz, unter Artikel 4 des Nordatlantikvertrags (externer Link). Kurz zuvor hatte bereits Polen diesen Schritt gewählt, nachdem 19 russische Drohnen in den Luftraum des Landes eingedrungen waren.
Artikel 4 sieht vor, dass jedes Nato-Mitglied im Fall einer Bedrohung seiner "territorialen Integrität, politischen Unabhängigkeit oder Sicherheit" die Einberufung einer Sitzung des Nato-Rates verlangen kann.
Mit Informationen von AFP , Reuters und dpa
Im Video: Russische Drohne auf Rumänien
Ein rumänisches Wohnhaus wurde von einer russischen Drohne getroffen.
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