Die Vereinten Nationen haben Israel und Russland auf eine Liste von Ländern gesetzt, denen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten vorgeworfen wird. In dem jährlich vorgelegten Bericht, den Nachrichtenagenturen in New York vorab einsehen konnten, wird beiden Ländern zudem vorgeworfen, UN-Ermittlern sei "wiederholt der Zugang verweigert" worden.
Wegen der Aufnahme in die Liste hatte Israel bereits vor der offiziellen Veröffentlichung die Zusammenarbeit mit UN-Generalsekretär António Guterres aufgekündigt.
Die jährlich von der UNO veröffentlichte Liste umfasst dutzende staatliche sowie nichtstaatliche Akteure, denen vorgeworfen wird, in Konflikten "systematisch" sexualisierte Gewalt verübt zu haben. Seit Jahren stehen darauf Länder wie Sudan, Haiti, Syrien und Mali. Im August vergangenen Jahres hatte Guterres Israel und Russland bereits vor einer möglichen Aufnahme in die Liste gewarnt.
Vorfälle und Muster sexualisierter Gewalt dokumentiert
Trotz dieser Warnung wurden dem Bericht zufolge "Vorfälle und Muster sexualisierter Gewalt von den Vereinten Nationen dokumentiert", die von russischen Truppen im Krieg in der Ukraine sowie von israelischer Seite in den besetzten palästinensischen Gebieten verübt worden sein sollen.
Schwere Vorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte
Die Vorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte umfassen etwa "Vergewaltigungen, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf die Genitalien", heißt es in dem noch unveröffentlichten Report.
Betroffen gewesen seien 14 Männer, sieben Frauen, neun Jungen und ein Mädchen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland. "Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen, in einigen Fällen wiederholt, wurden an neun Opfern verübt, von denen die Mehrheit aus dem Gazastreifen stammte", hieß es.
Israel: "Wir haben genug von diesem Generalsekretär"
Israel reagierte noch vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichts: "Wir haben genug von diesem Generalsekretär", schrieb der israelische UN-Botschafter Danny Danon auf X (externer Link). Israel werde den Kontakt zu Guterres' Büro bis zum Ablauf seiner Amtszeit Ende des Jahres abbrechen. Zur Begründung nannte er die "skandalöse" Entscheidung, Israel auf die Liste zu setzen, auf der die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas bereits steht. Der Sprecher des Generalsekretärs, Stéphane Dujarric, erklärte, man habe aus den sozialen Medien von der israelischen Entscheidung erfahren und sei jederzeit bereit für Gespräche.
Die Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen und Israel befinden sich seit dem Gaza-Krieg auf einem Tiefpunkt. Guterres wurde im Oktober 2024 von Israel zur "unerwünschten Person" erklärt.
Sexualisierte Gewalt in russischen Gefängnissen
In Bezug auf Russland konstatiert der UN-Bericht sexualisierte Gewalt durch die Streitkräfte Moskaus in den besetzten ukrainischen Gebieten. Zudem hätten ukrainische Kriegsgefangene von sexualisierter Gewalt in russischen Gefängnissen berichtet. Auch die Ukraine wird in dem Bericht kritisiert, sie wurde aber nicht auf die Liste gesetzt.
Mit Informationen von AFP und dpa
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

