Steven Spielbergs Kriegsdrama "Der Soldat James Ryan" aus dem Jahr 1998 hat es dem russischen Militärblogger German Sadulajew angetan [externer Link], obwohl das Ganze "natürlich verlogene amerikanische Propaganda" sei. Was Sadulajew dennoch an dem Film fasziniert: Die dort gezeigte spektakuläre Rettungsaktion für den titelgebenden Soldaten bei der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944.
Jeder Kämpfer müsse darauf vertrauen können, dass im Fall des Falles alles getan werde, um ihn aus einer einsamen Gefahrensituation zu bergen, so der Blogger. Offenbar hat er jedoch erhebliche Zweifel, ob die russische Armee dazu derzeit willens und in der Lage ist: "Andernfalls bleibt nur die Verzweiflung des Samurai: Niemand wird dir zu Hilfe kommen, du kannst nicht mehr gewinnen. Eure Pflicht ist es, in Würde zu sterben. Und was erwarten wir von unseren Soldaten? Dass sie siegen? Oder dass sie sterben?"
"Nur noch ein paar Glückliche erreichen ihr Ziel"
Mit diesen beklemmenden Fragen steht Sadulajew keineswegs allein da. Kommentator Alexei Sukonkin schreibt [externer Link]: "Langjährige Kommandeure opfern weiterhin ihre einfachen Soldaten, als wären sie eine Ressource, die sich in naher Zukunft wieder auffüllen ließe, und als hätte das Land unbegrenzt Geld für Zahlungsleistungen in Todesfällen. Mit dem gegenwärtigen Ansatz wird eine neue Mobilisierung die Lage nicht verbessern; sie wird sie nur verschlimmern und letztendlich zum Zusammenbruch des Landes führen – genau das, was der Feind will."
Die Infanterie sei im Drohnen-Krieg an die "Grenzen ihrer Fähigkeiten" gestoßen, argumentiert Propagandist Alexander Karschenko [externer Link]: "Drohnen beherrschen das Schlachtfeld vollständig. 2024 konnte man noch mit dem Motorrad durchschlüpfen, sich 2025 unter Bäumen fortbewegen, heute erreichen nur noch ein paar Glückliche ihr Ziel. Die Lufthoheit ist total. Personalrotationen sind nur bei schlechtem Wetter möglich. Evakuierungen sind praktisch unmöglich."
"Steppe ist der schlechteste Ort für Offensive"
Die meisten populären russischen Kriegsblogger sind ausgesprochen düster gestimmt, auch Politologe Juri Baranschik [externer Link]: "Mit der Kriegsdauer steigen die Kosten einer Offensive, da Versorgung und Evakuierung schwieriger werden. Zudem hat der Feind mehr Möglichkeiten, im Rücken anzugreifen und die Operationen zu stören. Die Geografie spielt dabei eine Rolle. Paradoxerweise ist die offene Steppe nicht der beste, sondern der schlechteste Ort für eine Offensive. Denn alles ist einsehbar und steht unter Drohnenbeschuss."
Infotafel
"Verdecktes Vorgehen ist unmöglich"
"Ja, die Pattsituation ist offensichtlich. Beide Seiten blockieren die Offensivaktionen der jeweils anderen Seite ausschließlich mit Drohnen und befinden sich in einer Sackgasse", stimmt ein weiterer anonymer Beobachter zu [externer Link]. Denkbar sei allenfalls ein "nordkoreanisches Szenario": "Ein Vormarsch in großer Zahl, ungeachtet der Verluste. Wenn das Offensivtempo aufrechterhalten werden kann, ist ein tiefer Durchbruch garantiert, bei dem weder Drohnen, noch NATO-Aufklärung dem Feind helfen können. Doch ein Scheitern birgt zu viele negative Konsequenzen, sodass niemand ein solches Szenario riskieren wird."
"Vorteile verschaffen nur Zeitgewinn"
Würde der Krieg "ungeachtet der Verluste" fortgesetzt, werde er noch fünf Jahre dauern, so der Blogger "Kampfbomber" (526.000 Fans) [externer Link]: "Vielleicht haben wir oder der Feind einen raffinierten Plan, ein militärisches Genie oder eine Wunderwaffe in petto, die bald eingesetzt wird und die Lage auf dem Schlachtfeld radikal verändert. Da sie aber seit vier Jahren niemand eingesetzt hat, sind solche Veränderungen unwahrscheinlich."
Drohnen seien derzeit leider der einzige Faktor, der wirklich zähle, argumentiert Alexander Chodakowski (324.000 Fans, externer Link). Weder die personelle, noch die finanzielle Übermacht Russlands gegenüber der Ukraine seien entscheidend: "Alle unsere Vorteile verschaffen uns nur einen Zeitgewinn. Wir müssen anerkennen, dass nur ein Durchbruch in dem heute dominanten Bereich [der Drohnen] es uns ermöglichen wird, das Machtverhältnis zu verschieben und die festgefahrene Situation zu lösen."
Fazit eines der größten russischen Militärblogs [externer Link]: "Der Kampf gegen reale Bedrohungen darf nicht durch den Kampf gegen die Realität ersetzt werden. Denn der Kampf gegen die Realität ist die größere Bedrohung. So sehen wir das."
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