Bei einer Begegnung mit Veteranen im Kreml
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Will militärische "Vergeltung": Wladimir Putin

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"Sie haben Angst": Putin irritiert mit "Vergeltungs"-Drohungen

Ungewöhnlich harsche, undiplomatische Töne kommen gerade aus dem russischen Außenministerium, was Beobachter als "Verzweiflungstat" interpretieren. Putins aggressive "Vergeltungs"-Rhetorik wird eher als Zeichen der Unsicherheit und Schwäche entlarvt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

Üblicherweise kündigen Diplomaten keine "systematischen Angriffsserien" auf "Entscheidungszentren und Kommandoposten" an. Umso mehr Aufsehen erregte eine entsprechende Pressemitteilung des russischen Außenministeriums [externer Link], in der ausländische Staatsbürger gewarnt werden, sie sollten die ukrainische Hauptstadt Kiew "so schnell wie möglich" verlassen, während Einheimische sich von Verwaltungszentren fernhalten sollten.

"Akt der Verzweiflung"

Entsprechend irritiert sind russische Kommentatoren: "Ehrlich gesagt, ist es doch ziemlich seltsam, im fünften Jahr der Militäroperationen von offiziellen russischen Stellen, die einst als seriös galten, Aussagen zu hören, die eher an kriegsbefürwortende Blogger erinnern", so ein anonymer Leitartikel auf einem der wichtigsten russischen Online-Diskussionsforen [externer Link]. Das dortige Fazit: "Diese Erklärung wirkt eher wie eine Verzweiflungstat, da die ukrainische Seite zunehmend russisches Territorium, einschließlich Moskau, angreift."

Ähnlich beurteilt Kolumnist Dmitri Drise vom Wirtschaftsblatt "Kommersant" die merkwürdige Mitteilung des russischen Außenministeriums. Offenbar gehe es Moskau darum, Trump "aufzurütteln", damit der erneut Druck auf die Ukraine ausübe [externer Link]: "Die Antwort ist Schweigen."

Der in London lehrende russische Politologe Wladimir Pastuchow schreibt dazu [externer Link]: "Das Regime stagniert und leidet unter dem Vertrauensverlust der Putin-treuen politischen Klasse. Der Kreml sucht nach einer Antwort auf diese Herausforderungen. Was genau das Regime heute bedroht, bleibt sowohl für das Regime selbst als auch für seine Gegner offen."

"Zeit fließt nur in eine Richtung"

Pastuchow argumentiert, Putin habe den Krieg ursprünglich zur "Stabilisierung" seiner Herrschaft benötigt, müsse jetzt aber tatenlos zusehen, wie gerade dieser Krieg wegen seiner langen Dauer sein Regime erschüttere: "Die 'Wachen' sind des Wartens einfach überdrüssig, und ich fürchte, Putin kann nichts mehr dagegen tun. Er steht vor einer Bedrohung, die er mit seinen üblichen Mitteln nicht beseitigen kann, denn die Kriegsdauer lässt sich in keiner Weise ausgleichen – die Zeit fließt nur in eine Richtung."

Die Tatsache, dass der Krieg mit der Ukraine länger dauere als der Krieg der UdSSR gegen Deutschland, erzeuge eine "starke kognitive Dissonanz in den Köpfen der Menschen: Wir sind gleichzeitig allmächtig (die Atombombe) und unbedeutend (die ukrainischen Drohnen)".

Nicht nur Polit-Blogger Dmitri Petrowski stört sich daran [externer Link], dass Putin permanent von "Vergeltung" spricht, gleichzeitig aber behauptet, die Lage der ukrainischen Armee sei "katastrophal": "Wenn wir von hoher Warte aus von Vergeltung sprechen, kann die Situation in der Ukraine nicht den Worten unseres Präsidenten entsprechen. Er verfügt entweder über unzuverlässige Informationen über die Lage an der Front oder er lügt. Das sind die beiden Dinge, die mich an dieser Art 'Vergeltung' wirklich beunruhigen."

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Infotafel

Ein Spötter bemerkte [externer Link]: "Vor der 'Entmilitarisierung' war die Ukraine militärisch gesehen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Aus dieser Perspektive erscheint alles logisch: Damals gab es nichts zu bombardieren."

"Elite ist ratlos"

Politologe Jewgeni Michailow schimpfte ebenfalls über den Begriff "Vergeltung" und meinte [externer Link]: "Die Angriffe als Vergeltungsschlag zu bezeichnen, demoralisiert unsere Seite, da es impliziert, dass diese Angriffe ohne die Kriegsverbrechen des Feindes nicht stattgefunden hätten. Entweder verfolgen diese Angriffe einen militärischen Zweck oder sie sind schlichtweg sinnlose Munitionsverschwendung. Hier besteht also ein gewisser Widerspruch. Ein Vergeltungsschlag sollte als solcher erkennbar sein."

Der kremlkritische Politologe Andrei Nikulin fasste die "Vergeltungs"-Propaganda des Kremls so zusammen [externer Link]: "Sie haben Angst und wollen Angst in anderen säen. Und da ist dieser wütende, ratlose Schrei: Warum haben sie keine Angst vor uns? Und die ständige Suche danach, was wir schreien und machen müssen, damit sie wieder Angst vor uns bekommen." Das wollte Nikulin ausdrücklich nicht als Ironie verstanden wissen.

Originell die These von Igor Dimitriew (128.000 Follower). Mit Hinweis auf neueste Forschungsergebnisse zu Putins Abstammung von finnisch-karelischen Vorfahren, während fast alle anderen russischen Politiker Verwandte in der Ukraine hätten, schrieb er [externer Link]: "Die gesamte politische Elite ist ratlos. Putin wiederum versteht nicht, warum alle das Thema Spezialoperation satt haben. Außer [dem Amts-Vorgänger und Propagandisten] Medwedew hat er anscheinend keine Angehörigen."

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