Im März 2025 veröffentlichte der Tech-Blogger John Gruber – in der Apple-Welt so etwas wie das inoffizielle Sprachrohr des Konzerns – einen ungewöhnlich scharfen Text: "Something Is Rotten in the State of Cupertino." Bei Apple sei etwas faul. Die personalisierten Siri-Features, die Apple im Sommer 2024 groß angekündigt und als Verkaufsargument des iPhone 16 beworben hatte? Auf unbestimmte Zeit verschoben. Dazu eine Mixed-Reality-Brille, die hinter den Erwartungen zurückblieb, und eine KI-Strategie ohne Plan und Erfolge.
Im Frühling 2025 sah es für viele Beobachter so aus, als habe Apple den Anschluss verloren. Der Konzern stecke in der Krise. Aber wer die Geschichte dieses Unternehmens kennt, der weiß: Diese Stimmung gab es schon oft.
71 Mal für tot erklärt
Die Website "The Mac Observer" führt einen sogenannten "Apple Death Knell Counter" – eine laufende Sammlung aller Male, in denen Apple öffentlich für erledigt erklärt wurde. Seit 1995 sind es mindestens 71 Einträge: Prognosen von Analysten, Journalisten und Tech-Größen, die Apple das Ende prophezeiten. Und jedes Mal lagen sie falsch.
Denn heute, an seinem 50. Geburtstag, ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von über 4 Billionen US-Dollar das zweitwertvollste Unternehmen der Welt. Im letzten Quartal erzielte Apple einen Umsatz von 143,8 Milliarden Dollar. Weltweit sind über 2,5 Milliarden Apple-Geräte aktiv. 166.000 Menschen arbeiten für den Konzern.
Auch in München ist Apple tief verwurzelt: Die Stadt ist Apples größter Engineering-Hub in Europa. Über 2.000 Ingenieure arbeiten hier an Custom-Silicon-Designs, Chips und Wireless-Technologien – in Büros an der Karlstraße, Marsstraße und Hackerbrücke, mitten in der Maxvorstadt. Apple hat insgesamt über zwei Milliarden Euro in den Standort investiert.
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Von der Garage zum Beinahe-Bankrott
Die Gründungsgeschichte ist legendär: Steve Jobs und Steve Wozniak, zwei junge Männer Anfang 20, die Mitte der 1970er Jahre Computer für alle zugänglich machen wollten. Was weniger bekannt ist: Es gab einen dritten Mitgründer, Ronald Wayne, der seinen zehnprozentigen Anteil zwölf Tage nach der Gründung verkaufte. Er wäre heute Hunderte Milliarden Dollar wert. Wayne hat in Interviews gesagt, er bereue die Entscheidung nicht – der Stress hätte ihn umgebracht.
In den 1980ern kam mit dem Macintosh der erste große Durchbruch, in den 1990ern der Absturz. Windows 95 überrollte den Markt, Apples Produktpalette war ein Chaos aus überlappenden Modellen, und das Unternehmen verlor in zwei Jahren fast zwei Milliarden Dollar. 1997 war Apple nur wenige Monate von der Insolvenz entfernt.
In genau dieser Phase fiel ein heute legendärer Satz: Dell-Gründer Michael Dell wurde gefragt, was er mit Apple machen würde. Seine Antwort: Er würde es dichtmachen und das Geld an die Aktionäre zurückgeben. Steve Jobs, gerade als Interims-CEO zurückgekehrt, reagierte intern mit einem nicht zitierbaren Ausdruck. Aber er vergaß nicht. Fast ein Jahrzehnt später, im Jahr 2006, schrieb er eine firmenweite Mail: Apple sei nun mehr wert als Dell.
Michael Dell war nicht der einzige Tech-CEO, der danebenlag. Nur ein Jahr nach Jobs' E-Mail lachte Microsoft-CEO Steve Ballmer das iPhone öffentlich aus. Kein Unternehmen werde 500 Dollar für ein Telefon ohne Tastatur bezahlen, spottete er. Seitdem wurden über drei Milliarden iPhones verkauft.
Der Preis des Erfolgs
Nicht jedem schmeckt der heutige Erfolg des Konzerns. Apple kontrolliert über den App Store, welche Software auf über einer Milliarde iPhones laufen darf – und zu welchen Bedingungen. Wer eine App anbieten will, muss sich Apples Regeln unterwerfen. Wer ein iPhone kauft, kann ohne Apples Erlaubnis nur umständlich Software aus anderen Quellen installieren. Regulierungsbehörden weltweit – insbesondere in der EU – drängen Apple seit Jahren zur Öffnung. Im Kern steht die Frage: Wie viel Kontrolle sollte ein einzelnes Unternehmen darüber haben, was Menschen mit ihren eigenen Geräten tun können?
Und dann ist da die andere Seite der Lieferkette. Apples Geräte werden überwiegend in chinesischen Fabriken montiert, vor allem beim Zulieferer Foxconn. Berichte über exzessive Arbeitszeiten, niedrige Löhne und mangelnden Arbeitsschutz begleiten Apple seit über einem Jahrzehnt.
Party statt KI
Zum 50-jährigen Jubiläum hat Apple eine weltweite Feier inszeniert: Alicia Keys spielt in New York, Mumford & Sons in London, das Sydney Opera House wird mit iPad-Kunst beleuchtet. Heute Abend tritt Paul McCartney im Apple Park in Cupertino auf.
Und was ist jetzt mit der Technologie? Mit der Kritik an Apples aktueller Strategie? Auch hier könnte sich allmählich der Wind drehen. Apple hat weiter keine klare Aussicht auf eine KI-gesteuerte Siri vorgelegt. Doch vielleicht muss Apple das gar nicht. Stattdessen setzt der Konzern mittlerweile auf Kooperationen mit KI-Konzernen wie OpenAI und Google. Anders als der Rest der Tech-Welt investiert Apple keine hunderten Milliarden in Rechenzentren. Während sich der Rest der Industrie um die KI-Krone balgt, könnte Apple der lachende Dritte sein und das machen, was bisher so gut funktioniert hat: Software und Hardware.
Erst zuletzt zeigt der Apple wieder, wie das funktionieren kann – mit dem neuen MacBook Neo, ein ungewöhnlich günstiger, bunter Laptop. Es ist eine der größten Tech-Erfolgsgeschichten des Jahres. Mal wieder.
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