Chefs am Himmel · Der schwierige Job des Fluglotsen
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Ein junger Fluglotse steht mit Headset vor dem Tower des Münchner Flughafens, an dem gerade ein Lufthansa-Flugzeug vorbeifliegt.

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Chefs am Himmel: Der schwierige Job des Fluglotsen

Sie vermeiden Katastrophen und managen Notfälle: Fluglotsen regeln den Verkehr am Himmel. Nur rund 140 Menschen werden jährlich ausgebildet. "Kontrovers – Die Story" hat zwei von ihnen begleitet. Verantwortung und Druck bestimmen ihren Alltag.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Eigentlich hat Jennifer die Ausbildungszeit längst hinter sich. Seit über zehn Jahren ist sie Fluglotsin, hat an verschiedenen Standorten in Deutschland und Österreich gearbeitet. Nun sitzt sie am Simulator am Münchner Flughafen, an ihrer Seite eine Trainerin. Sie übt Notfälle. "Das Stresslevel ist ein bisschen erhöht, weil ich weiß, dass etwas passiert", sagt sie.

Jennifer kommt ursprünglich aus Bayern und will in ihre Heimat zurückkehren. Doch um am Münchner Flughafen zu arbeiten, braucht sie eine weitere Ausbildung. Eine Chance, die sie sich nicht entgehen lassen will. "Ich habe keinen Tag gehabt, an dem ich nicht gerne in die Arbeit gegangen bin", erzählt sie.

Nur wenige Prozent der Bewerber schaffen es

Jennifer ist nur eine von Wenigen. Denn Auswahlprozess und Ausbildung gelten bei Fluglotsen als besonders anspruchsvoll. Nur etwa 140 Auszubildende im Jahr werden deutschlandweit zugelassen. Von den tausenden Bewerbern schaffen es nur wenige Prozent ans Ziel.

Im Ernstfall zählt jede Sekunde

Jennifer sitzt vor mehreren Bildschirmen und beobachtet so den Flugverkehr. Schon nach kurzer Zeit beginnt der simulierte Ernstfall: Ein Funkspruch geht ein, der Pilot wiederholt immer wieder das Wort "Mayday". Die Fluglotsin weiß, was das bedeutet. "Wenn man 'Mayday‘ hört, sackt jedem erst einmal das Herz in die Hose", sagt sie. Das Flugzeug braucht ihre Hilfe nach einem Vogelschlag. Ab jetzt zählt jede Sekunde.

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Azubis dürfen echten Flugverkehr regeln

Auch Florian hat die Chance auf seinen Traumjob bekommen. Schon als Kind war er Luftfahrt-Fan, wollte erst Pilot werden, dann Fluglotse. Obwohl er noch Azubi ist, darf er bereits den echten Flugverkehr in München regeln – allerdings nur mit einem Coach an der Seite, der die Verantwortung trägt. "Man muss vor allem die Fähigkeit haben, so miteinander zu kommunizieren, dass es möglichst effizient ist. Also nicht ewig lang um den heißen Brei schwafeln", erklärt Florian. Während er spricht, bleibt sein Blick durchgehend auf die Bildschirme gerichtet.

"Im Endeffekt sind wir der Chef am Sektor"

Der Luftraum über Deutschland ist in verschiedene Sektoren eingeteilt, dazu noch in eine obere und untere Luftschicht. Die Flugsicherung in München kontrolliert in der unteren Luftschicht ein Gebiet von Bayern über Thüringen bis Sachsen. Florian ist heute zuständig für einen dieser Sektoren und leitet alle Flieger an, die hier durchwollen. Er koordiniert die Flughöhe des Piloten, achtet auf Abstände und die beste Route. Außerdem steuert er Geschwindigkeit und Richtung, um den Flieger möglichst effizient und sicher durch seinen Bereich zu leiten. "Im Endeffekt sind wir der Chef am Sektor. Weil normalerweise sagen wir den Piloten, wo es langgeht und nicht andersrum", sagt Florian in Kontrovers – Die Story.

Kommunikation durch eigenes Schema

Alle paar Sekunden gehen Funksprüche ein, auf die Florian reagiert. Für die Kommunikation mit den Piloten nutzt er ein international festgelegtes Schema und Alphabet, um Verwechslungen zu vermeiden. Sein Coach beobachtet ihn dabei. "Es ist natürlich auch wichtig, dass er Prioritäten richtig setzt. Dass er weiß: Das ist jetzt das Wichtigste, den spreche ich als erstes an", erklärt der Coach. Am Ende des Tages hat Florian alle Herausforderungen gut bewältigt.

Das Wichtigste: ruhig bleiben

Auch Jennifers Notfall-Training läuft gut. Es gelingt ihr, den Flieger nach dem Vogelschlag sicher zu landen. Nur kurze Zeit später meldet ein Pilot einen medizinischen Notfall – ein Passagier mit Schlaganfall. Jennifer muss jetzt den Flieger zurück zum Flughafen lotsen und das Rollfeld für die Landung neu koordinieren – und Jennifer schafft alles ohne Fehler. Eine Leistung, die im Ernstfall Leben rettet.

Das Wichtigste in solchen Situationen sei es, ruhig zu bleiben. "Wenn man aufgeregt wird, dann redet man ja oft schneller und das bringt am Funk gar nichts", sagt sie. Schon bald wird sie den Flugverkehr über Bayern allein regeln.

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