Olympische Winterspiele in Mailand und Cortina 2026: Skibergsteigerinnen steigen eine künstliche Treppe hinauf.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Bei der Olympia-Premiere im Skibergsteigen hat besonders die künstliche Treppe für Kritik gesorgt.

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DAV: Glückt der Spagat zwischen Breiten- und Leistungssport?

Skimo-Eklat, durchwachsene Skimo-Ergebnisse bei Olympia, Geldsorgen auch beim Klettern: Der Leistungssport beim Deutschen Alpenverein steht vor großen Herausforderungen. Sollte sich der DAV auf den Breitensport und die Umwelt konzentrieren?

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

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"Dieses Skibergsteigen hat bei Olympia gar nichts zu suchen. Jetzt warte ich nur noch auf Christbaumweitwurf", kommentierte BR24-User "pa4musikant" vor ein paar Wochen.

Nutzerin "KatiB" schrieb ähnlich: "Der DAV sollte sich auf seine ursprüngliche Kernaufgabe konzentrieren! (...)"

Und "Wurzelsepp_" drückte es so aus: "Ich denke, der DAV sollte sich generell aus dem Leistungssport heraushalten. Ist meiner Meinung nach nicht mit seinen Grundsätzen vereinbar. Er sollte dabeibleiben, wozu er gegründet wurde: Schutz der Alpenregion. Sage ich als Mitglied."

Das ist eine Auswahl an Kommentaren aus Artikeln, die sich mit den Vorwürfen rund um das Skibergsteigen beschäftigen. Sie passen zu der Haltung, die Alpinjournalist Axel Klemmer vertritt. Er betreute in den vergangenen sechs Jahren das Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins und ist mittlerweile aus dem DAV ausgetreten. Grund dafür war das Engagement des DAV im Leistungssport.

Vor allem das Skibergsteigen bei Olympia ist ihm ein Dorn im Auge. Er findet, dass der Bundesverband ein schlechtes Signal aussendet, wenn er Athletinnen und Athleten "die Kunstschneebänder den Berg hinauf und hinunter rutschen lässt und andererseits dann doch irgendwie gegen immer mehr Schneekanonen auf den Bergen protestiert".

Pro Jahr rund drei Millionen Euro für Spitzensport

Klemmer kann nicht verstehen, dass der Verein einen Teil seiner Kapazitäten für den Leistungssport verwendet. Gerade mit Blick auf die Infrastruktur am Berg in Zeiten des Klimawandels. Schließlich müssen sich die Sektionen um den Unterhalt der Hütten und Wege kümmern. Und das kostet viel Geld.

In den Spitzensport investiert der Alpenverein jährlich rund drei Millionen Euro, sagt DAV-Präsident Roland Stierle. Das sei finanziell ein "enges Korsett" für Wettkampfklettern, Paraclimbing sowie Expeditions- und Skibergsteigen.

Stierle betont jedoch, dass der Fokus beim DAV nach wie vor auf dem Breitensport liege – das schließe aber den Spitzensport nicht aus. Schließlich werde Skibergsteigen von Hunderttausenden Mitgliedern betrieben. Da sei es nicht verwunderlich, dass es auch einige gibt, die den Sport auch im Wettkampfbereich ausüben wollen. "Und auch das gehört zu unseren Aufgaben, diese Bedürfnisse zu erfüllen, und deswegen betreiben wir Skibergsteigen auch als Wettkampfsport", sagt Stierle.

Kletterstar Megos sieht Zukunft des Wettkampfkletterns nicht beim DAV

Skibergsteigen war im vergangenen Februar zum ersten Mal bei Olympia dabei. Wie dort um Medaillen gekämpft wurde, sorgte für Kritik. Unter anderem mussten die Athletinnen und Athleten ihre Ski abschnallen, Treppen hochrennen und dann weiterfahren. Das hat auch dem DAV-Präsidenten nicht gefallen: Es vermittle ein völlig falsches Bild vom Skibergsteigen.

Wettkampfklettern hatte seine Olympia-Premiere 2021 bei den Sommerspielen in Tokio. Auch in dieser Sportart fehlt es an Geld. Manche Teilnehmer müssen ihre Reisen zu Wettkämpfen teilweise aus eigener Tasche zahlen. Deshalb hatte unter anderem Spitzenkletterer Alex Megos vor einem Jahr einen Spendenaufruf gestartet. Auch bei den Trainingsmöglichkeiten hinke man anderen Nationen hinterher. "Ich glaube schon, dass auf lange Sicht eine Lösung des Leistungssports vom DAV stattfinden sollte, um den Leistungssport weiter voranzutreiben, wie es auch in anderen Nationen der Fall ist", sagt Megos.

Mehrheit spricht sich für olympisches Skibergsteigen beim DAV aus

Klettern oder Skimo an einen anderen Verband abzugeben, ist für DAV-Präsident Roland Stierle aber keine Option. "Ich könnte mir nicht vorstellen, dass es jemand besser macht als dort, wo diese Sportarten geboren wurden", sagt Stierle. Diese Haltung fand auch eine Mehrheit bei der Hauptversammlung des Alpenvereins im November vor zwei Jahren. Dort stimmten DAV-Angaben zufolge fast 80 Prozent der Delegierten für die Verankerung des Skibergsteigens als olympische Sportart im Deutschen Alpenverein.

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