Bundeswehr-Zentrum in Erding eröffnet
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Marco Einfeldt

Bundeswehr-Zentrum in Erding eröffnet

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Drohnen und KI zur Verteidigung: Bundeswehr-Zentrum eröffnet

Ein neues Innovationszentrum der Bundeswehr soll die Verteidigungsfähigkeit der deutschen Streitkräfte stärken. Bei der Eröffnung in Erding betonte Verteidigungsminister Pistorius, Innovation sei für die Bundeswehr "Schlüssel zum Erfolg".

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Verteidigungsminister Boris Pistorius nimmt die Gäste in Erding gedanklich mit zur Besatzung eines Panzers auf einem Acker in der Ukraine. "In der Morgensonne ist keine Jagdmaschine, kein Kampfhubschrauber zu sehen – und doch ist der Luftraum über den Soldatinnen und Soldaten lebensgefährlich", schildert der SPD-Politiker. "Der Gegner ist klein, schnell, seine Fluggeräusche erinnern an einen anfliegenden Hornissenschwarm." Mit bloßen Auge könnten die Soldaten erst dann etwas erkennen, wenn es eigentlich schon zu spät sei: Drohnen.

Der Ukraine-Krieg zeigt laut Pistorius sehr klar: "Moderne Kriegsführung entwickelt sich nicht in festen Jahreszyklen, sondern im Takt einer deutlich schneller und dynamisch gewordenen Realität." Künstliche Intelligenz, Drohnentechnik, Datenübertragung: Alles greife ineinander. Im Ukraine-Krieg lägen die Entwicklungszyklen von Drohnen bei maximal sechs Wochen. Innovation gehöre somit zum Kern glaubwürdiger Abschreckung und sei für die Bundeswehr "der Schlüssel zum Erfolg". Auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorst Erding entsteht deswegen das "Bundeswehr Innovation Center", das Pistorius am Mittag offiziell eröffnete.

Pistorius: "Neu denken"

Entscheidend werde in Zukunft sein, "wie schnell neue Technologien in der Truppe ankommen", betont der Minister. Die Bundeswehr brauche dafür starke Partner in Forschung, Wirtschaft, Industrie und Startups. Das Innovationszentrum sei ein notwendiger erster Schritt auf dem Weg abseits der klassischen Beschaffungsorganisation. "Es wird nicht erst überlegt, was wir brauchen oder überlegt, wie wir es kriegen und wie wir es entwickeln und wer das alles tut, ob wir es dürfen, ob wir es wollen, ob wir es finanzieren können."

In Erding zählten vielmehr Ideen und der Wille, Dinge neu zu denken und gemeinsam anzupacken. Dafür erhalte das Innovationszentrum "größtmögliche Handlungs- und Beinfreiheit". Die Region München biete ideale Bedingungen: "Hier begegnen sich Bundeswehr und Wissenschaft, Forschung und Industrie, Startups und etablierte Unternehmen."

Söder: Signal, das einen ruhiger schlafen lässt

Schon bisher gab es in Erding das Innovationslabor "System Soldat", dieses wird nun ausgebaut und erweitert zum neuen Innovationszentrum. Laut Bundeswehr soll es eine Plattform bieten, auf der Streitkräfte, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an technologischen Lösungen arbeiten, um zivile Innovationen mit militärischen Einsatzmöglichkeiten zu verknüpfen. Auf diese Weise solle die Kriegstüchtigkeit und Verteidigungsbereitschaft der Bundeswehr schnell gesteigert werden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnet die Eröffnung als ein "gutes Signal, das einen ruhiger schlafen lässt". Das neue Zentrum zeige die Bereitschaft, sich internationalen Herausforderungen zu stellen. Deutschland könne sich nicht mehr wie in vergangenen Jahrzehnten voll auf die Unterstützung von Partnern verlassen, sondern müsse die eigene Sicherheit stärken. Die Bundeswehr müsse technologisch so ausgestattet werden, "dass man es sich dreimal überlegt, uns zu attackieren", sagt Söder.

"Silicon Valley für Verteidigung"

Rafaela Kraus, Professorin für Unternehmens- und Personalführung an der Münchner Bundeswehr-Universität, zeigt sich überzeugt, dass in Bayern nun etwas "wie ein Silicon Valley für Verteidigung" entstehen kann. Auch Sven Kruck, Chef des Drohnenherstellers Quantum Systems, sieht im Innovationszentrum einen "Meilenstein": Wirtschaft, Bundeswehr und Politik versuchten nun endlich gemeinsam, Technologien nach vorn zu bringen und effizient für die Streitkräfte zur Verfügung zu stellen.

Quantum Systems zählt zu den rund zwei Dutzend Institutionen sowie Unternehmen und Startups aus dem Rüstungssektor, die sich anlässlich der Eröffnung in Erding den geladenen Gästen präsentieren. Pistorius und Söder informieren sich bei einem Rundgang über Aufklärungsdrohnen, KI-basierte Softwarelösungen für Streitkräfte, Drohnenabwehrsysteme. Laut wird es bei einer Vorführung auf einer angrenzenden Wiese: KI-gesteuerte Drohnen senken sich vom Himmel und steuern auf eine Panzerattrappe zu. Nach mehreren Explosionen steigt Rauch auf.

Im Video: Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet

Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet
Bildrechte: News5
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!