Im Kreis Traunstein will Bayerns Marktführer beim Mineralwasser seine Wasserrechte um 25 Jahre verlängern. In der Gemeinde Bergen befürchten manche, dass sich das auf ihr Trinkwasser auswirken könnte. Ist da was dran? Ein BR24 vor Ort aus Oberbayern.
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Im Kreis Traunstein will Bayerns Marktführer beim Mineralwasser seine Wasserrechte um 25 Jahre verlängern.

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Nimmt Adelholzener den Anwohnern das Trinkwasser weg?

Im Landkreis Traunstein will der bayerische Marktführer beim Mineralwasser seine Wasserrechte um 25 Jahre verlängern. In der Gemeinde Bergen befürchten manche, dass sich das auf ihr Trinkwasser auswirken könnte. Ist da was dran?

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Ein Freitagvormittag im Weißachental, am Fuße der Alpen. Sarina Kraft geht den Hang hinter ihrem Haus hinauf. Im Felsen vor ihr ist kleine Tür mit Vorhängeschloss eingelassen. Es ist eine private Quelle, die das Haus der Krafts mit Wasser versorgt.

Noch fließt hier Wasser – aber Sarina Kraft befürchtet, dass sich das bald ändern könnte. Wegen des Klimawandels. Und – das ist ihre Vermutung – wegen Adelholzener. Denn weiter unten im Tal fördert der Konzern rund 1,3 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr. Mehr als jedes andere Mineralwasserunternehmen in Bayern.

Wirken sich Adelholzeners Entnahmen auf das Trinkwasser aus?

"Wasser fließt ja immer nach unten", sagt Kraft. "Das heißt, wenn unten irgendwann zu viel rausgenommen wird, dann sinkt ja der Pegel von oben ab. Dann haben die, die am höchsten liegen, als erste kein Wasser mehr."

Das ist so nicht richtig, aber das wird erst später klar werden. Kraft hat 2022 zusammen mit anderen die Initiative "Unser Bergener Wasser" gegründet. Sie fordert: weniger Entnahmen und strengere Kontrollen.

Adelholzener will seine Wasserrechte um 25 Jahre verlängern

Auslöser der aktuellen Debatte ist ein neuer Antrag von Adelholzener. Noch zehn Jahre lang will das Unternehmen im Bergener Moos genauso viel Grundwasser fördern dürfen wie bisher; erst danach will man etwas weniger entnehmen. Im Antrag schreibt das Unternehmen: "Weder die kommunale Trinkwasserversorgung der Gemeinde Bergen noch sonstige private Wasserversorgungen können von der vorliegend beantragten Entnahme beeinträchtigt werden."

Im Wasserwirtschaftsamt in Traunstein – der örtlichen Aufsichtsbehörde – sieht man das genauso. Adelholzeners Entnahmen hätten keine direkten Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Bergen – oder auf private Quellen wie die der Krafts. Denn die speisen sich alle aus dem oberen Grundwasserstockwerk. Adelholzener hingegen entnimmt aus dem Tiefengrundwasser – also einer anderen Grundwasser-Schicht.

Tiefengrundwasser gilt in Bayern als "eiserne Reserve"

Die Sorge, dass Adelholzener den Bergenern das Wasser abgräbt, hält man hier für unbegründet. Viele in Bergen treibt aber noch eine andere Frage um: Greift Adelholzener mit seinen Entnahmen aus dem Tiefengrundwasser die "eiserne Reserve" der Gemeinde an? Gut geschütztes Wasser, auf das Bergen in Krisenfällen angewiesen sein könnte?

Ende Januar diskutiert der Gemeinderat in Bergen noch einmal über den Antrag von Adelholzener. Denn ein Gutachten hat ergeben: Die Grundwasserpegel sinken schneller als gedacht. Bergens grüner Bürgermeister Stefan Schneider findet: Die Behörden müssten diese neuen Erkenntnisse in ihre Entscheidung einbeziehen. "Wir können nicht einfach sagen, wir genehmigen diese Menge, sondern wir müssen Wege finden, wie wir damit umgehen, mit Veränderungen in Zukunft." Er fordert deshalb, dass Adelholzeners Wasserrecht bei künftigen Problemen jederzeit eingeschränkt oder sogar ganz widerrufen werden kann.

Adelholzener: Daten zeigen, es wird nicht übernutzt

Und wie denkt man bei Adelholzener selbst darüber? Das zu erfahren, ist nicht ganz einfach - denn Interview-Anfragen des BR werden immer wieder abgelehnt. Erst nach mehreren Monaten bekommen wir einen Termin.

Geschäftsführer Peter Lachenmeir trifft uns an einer Grundwasser-Messstelle im Bergener Moos. Eine Sonde reicht fast hundert Meter tief in den Boden – und misst den Druck im Tiefengrundwasser.

"Und damit wissen wir, wenn der unverändert bleibt, dass das System in Balance ist und dass wir nicht übernutzen", erklärt Lachenmeir.

Und er versichert: Das Unternehmen habe nur eine "einfache wasserrechtliche Erlaubnis" beantragt, die jederzeit widerrufbar sei. "Die Daten werden ja regelmäßig an das Wasserwirtschaftsamt übermittelt und auch fachkundig dort geprüft. Und sollte dort eine Übernutzung stattfinden, wird sofort die Wasserentnahme gedrosselt."

Bis zu einer Entscheidung werden noch Monate vergehen

Viele Forderungen von Sarina Kraft sind inzwischen erfüllt: Adelholzener wird nur eine widerrufliche Genehmigung bekommen; die Gemeinde Bergen hat ein eigenes Gutachten beauftragt. Ist sie zufrieden?

"Mit dem Fortschritt bisher auf jeden Fall", sagt Kraft. Aber: "Man muss natürlich jetzt einfach gucken, was mit dem Erlaubnisbescheid dann rauskommt."

Bis über Adelholzeners Antrag entschieden ist, könnten noch Monate vergehen. Aber die Bürgerinitiative hat schon jetzt viel erreicht: Hier vor Ort schauen jetzt alle sehr genau hin. Nur: Am Wassermangel der Krafts wird das wenig ändern – denn da bleibt das Hauptproblem der Klimawandel.

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